Long im DAX –Chance oder Risiko?

Datum: 08.04.2019

In der letzten DAX-Analyse vom 11.03 haben wir die charttechnische Situation im DAX Index angeschaut. In der heutigen Analyse werfen wir einen Blick auf die Fundamentalanalyse bzw. einige Wirtschaftsdaten, die zuletzt im Fokus standen, und gehen der Frage nach, ob es Sinn macht eine neue Long-Position im DAX einzugehen. Ferner prüfen wir, ob im Falle einer bereits bestehenden long-Position diese gehalten, abgesichert oder liquidiert werden sollte.

In den letzten Tagen hat der DAX nochmals eine massive Aufwärtsbewegung hingelegt, seit Anfang des Jahres beträgt das Plus über 10%. Genau wie der Dow Jones (siehe Dow Jones Analyse) hat der DAX damit einen Grossteil seiner Ende 2018 erlittenen Verluste wieder ausgeglichen.

Auch rein technisch sieht die Situation im DAX nun wieder deutlich besser aus, insbesondere mit dem Überschreiten der 200-Tages-Linie hat sich das technische Bild sehr stark gebessert.

Technische vs Fundamentale Analyse

Es sollte jedoch die Frage gestellt werden ob die Technische Analyse durch die Fundamentale Lage bestätigt wird.

Betrachten wir dazu das folgende Bild, das die Auftragseingänge der Deutschen Industrie zeigt.

Auftragseingänge Deutsche Industire - 2019-04-08

(Quelle: Deutsche Bundesbank

Link: https://www.bundesbank.de/de/statistiken/unternehmen-und-private-haushalte/auftragseingang)

Es ist deutlich zu erkennen, dass sich die Auftragseingänge der Deutschen Industrie in einem Abwärtstrend befinden, der sich seit Anfang 2019 nochmals stark beschleunigt hat. Vor wenigen Tagen erst wurde der schlechteste Monatswert für die Auftragseingänge seit der letzten Finanzkrise vermeldet.

Dennoch stieg der DAX an diesem Tag um über 1%. Wie kann das sein?

Erstmals muss gesagt werden, dass die Auftragseingänge ein „vorauslaufender Indikator“ sind, aber natürlich auch nicht alleine betrachtet werden dürfen.

Betrachten wir den Auftragsbestand:

Auftragsbestand deutsche Industrie 2019-04-08

Hier ist klar zu erkennen, dass dieser immer noch sehr hoch ist. Trotz der immer weiter sinkenden Auftragseingänge kann die Deutsche Industrie also weiterhin produzieren, weil sie einfach immer noch „alte“ Aufträge arbeiten muss. Aus diesem Grund sinken auch nicht die Beschäftigungszahlen (was auch mit der demografischen Entwicklung zu tun hat, aber das ist ein anderes Thema).

Hoffnung & Spekulationen treiben den DAX

Der Gedanke „Ok, wenn die Industrie noch viele Aufträge abarbeiten muss sind die sinkenden Auftragseingänge ja nicht so schlimm“ ist aber nicht der Grund für die Diskrepanz zwischen aktueller Fundamentaler Bewertung und der Richtung des DAX.

Denn aktuell ist der DAX rein spekulationsgetrieben. Die Spekulation kommt dabei aus den USA und China. Erstens besteht die Hoffnung, dass es zu einer Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China kommt und Zweitens besteht die Hoffnung, dass die Massnahmen der chinesischen Notenbank Früchte tragen werden (die chinesische Notenbank verringert die Bedingungen zur Kreditvergabe an Unternehmen immer weiter und pumpt Geld in den Markt.)

Die Hoffnung ist, dass, wenn beides „gutgeht“ grade die Bestellungen aus dem Ausland wieder zunehmen und damit die Auftragseingänge der Deutschen Industrie wieder zunehmen. Für den DAX ist das von entscheidender Bedeutung, da der DAX ein sehr „industrielastiger Index“ ist. Es kann eine ganz simple Formel aufgestellt werden:

Es geht der Industrie schlecht = es geht dem Dax schlecht.

Die Formel ist aber rein theoretisch, da an der Börse eben nicht nur Fakten, sondern zu einem ganz erheblichen Teil auch Gerüchte und „Hoffnungen“ gehandelt werden.

Aus diesem sehr simplen Grund sind die Bewegungen an den Börsen auch nicht, im Sinne einer exakten Wissenschaft, berechenbar.

Es besteht also die offensichtliche Gefahr, dass der DAX einen massiven Einbruch erleben würde, wenn beide „Hoffnungen“ nicht aufgehen.

Ferner wird missachtet, dass Donald Trump „Europa für China opfern könnte“. Was ist damit gemeint? Es könnte tatsächlich zu einer Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China kommen, sich im Gegenzug die USA aber nun ganz um den „Problemfall Deutschland“ kümmern. Denn die hohen Exportüberschüsse von Deutschland sind den USA schon seit Jahren ein Dorn im Auge.

Kurz: Es könnte zu Strafzöllen auf europäische Autos kommen. Da die Automobilbranche Deutschlands wichtigste Wirtschaft ist, würde dies zu so massiven Verwerfungen in den Bilanzen wichtiger Unternehmen führen, sodass der positive Effekt aus einer Einigung zwischen den USA und China negiert werden könnte.

Das zusätzliche „Dauerthema“ des Brexit haben wir dabei in dieser Analyse nicht mal angesprochen.

Aufgrund der sehr vielen (nicht berechenbaren) Variablen von denen die weitere Entwicklung der Kursrichtung des DAX abhängt, sind aus unserer Sicht mittel- bis längerfristige Long-Positionen im DAX aktuell als riskant einzustufen.

Für Long-Positionen, insbesonders im kurz- bis mittelfristigen Trading bevorzugen wir daher aktuell die amerikanischen Märkte.

Wenn man bereits Long-Positionen hält, sollten dies zwar, aktuell, gehalten werden, aber in einem nicht stark spekulativen Portfolio sollte man seine Longs derzeit nach unten absichern.

Denn sollten sich die ganzen Hoffnungen auf denen die Kursanstiege der letzten Zeit beruhen als „heisse Luft“ herausstellen, ist ein (mit Sicherheit dann sehr schnell verlaufender) Einbruch des DAX unvermeidlich.

Fazit:

Es bestehen derzeit zwar Chancen auf der „Seite nach oben“ (also für Long-Setups im DAX). Diese sollten aber in der derzeitigen wirtschaftlichen/politischen Gesamtlange nicht zu hoch bewertet werden. Die Risiken die auf der Unterseite bestsehen sind gross, weswegen bei bereits bestehenden Long-Positionen über eine Absicherung mit Hilfe von Optionen zumindest nachgedacht werden sollte.

Die amerikanischen Märkte geben grundsätzlich den Ton an und der DAX folgt meist den Entwicklungen in den USA. Die amerikanischen Aktienindizes zeigen im direkten Vergleich zum DAX nach wie vor relative Stärke, weshalb wir grundsätzlich noch bullisch sind, uns für Long-Trades auf Grund der in dieser Analyse dargelegten Gefahren aber eher auf die US-Aktienmärkte konzentrieren.

aktuelle Analysen

DAX: Aufwärtstrend intakt

Datum: 11.03.2019

Wie auf dem Tages-Chart zu erkennen ist, befindet sich der DAX in einem intakten Aufwärtstrend und korriegierte jüngst bis an das vorherige Hoch, was ein typisches Verhalten ist. Im Bereich zwischen 11.250 – 11.400 Punkten befindet sich eine wichtige Unterstützungszone (vorheriges Hoch, Tages-EMAs 20, 50, 100, Trendlinie) Dieser Unterstützungsbereich ist aktuell eine kurzfristige Entscheidungszone und bietet Potential, dass der DAX von hier ausgehend seine Trend-Bewegung wieder aufnimmt. Bei einem Tagesschlusskurs unterhalb von 11.300 würde sich das Chartbild deutlich eintrüben.

Dax Daily - Trend Unterstützung Widerstand

aktuelle Analysen

Die Korrektur der letzten Tage begann nach einem Abprallar an der Tages-EMA 200. Wie auf dem Wochenchart zu sehen ist, liegen in diesem Kursbereich bei ca. 11.650 Punkten auch die lokalen Tiefs von 2018, und somit ist der Widerstansbereich deutlich zu erkennen. Aufgrund des aktuellen Aufwärtstrends, der Stärke der US-Märkte, sowie der bis in den Sommer hinein positiven Saisonalität bleiben wir aktuell jedoch bullisch, und sehen gute Chancen auf weiter steigende Kurse und einen Ausbruch über die aktuellen Widerstände in den nächsten Wochen. Ein nachhaltiger und deutlicher Ausbruch über den Widerstandsbereich würde gleichzeitig ein weiteres bullisches Signal liefern und Chancen auf der Long-Seite eröffnen.

Dax Weekly - Bollinger Bänder und Seaosnal Trend