Autor: Tobias SchmidAutor: Tobias Schmid | Trader & Privatanleger
veröffentlicht am: 11.06.2020

Die regelmäßige Auszahlung einer Dividende bietet für Anleger nicht nur den Vorteil eines regelmäßigen Cashflows, sondern gilt auch als Qualitätsmerkmal einer Aktie und deutet auf ein stabiles und profitables Geschäftsmodell hin. Mit der Dividendenstrategie investieren Anleger gezielt in Aktien mit hohen Dividenden und setzten zudem auf zukünftiges Dividendenwachstum.

Allerdings ist die Dividendenstrategie (bzw. die Vorteile einer Dividendenstrategie gegenüber einem Investment in den breiten Markt) nicht unumstritten und Kritiker sprechen mitunter sogar von einer Selbsttäuschung. In diesem Artikel lernst Du, was die Dividendenstrategie ist, welche Vorteile und Nachteile diese bietet und für welchen Anlegertyp sie geeignet ist.

Was ist die Dividendenstrategie?

Hohe Gewinnausschüttungen als Auswahlkriterium

Als Dividendenstrategie bezeichnet man eine Anlagestrategie, bei der gezielt in Unternehmen mit einer überdurchschnittlich hohen Dividende, sowie der Aussicht auf zukünftig steigende Dividenden investiert wird. Als Maßstab und Auswahlkriterium dient dabei häufig die Dividendenrendite und die historischen Dividendensteigerungen. Neben der Höhe der Dividende achten viele Anleger zudem auf die Ausschüttungsquote und weitere fundamentale Kennzahlen.

Dividendenstrategie

Mit der Dividendenstrategie setzen Anleger auf einen regelmäßigen Cashflow

Woher kommt die Dividendenstrategie?

Das Investieren in dividendenstarke Aktien wurde in den letzen Jahren auch bei Privatanlegern zunehmend beliebter. Galten Ende der 90er Jahre noch Wachstumsaktien und insbesondere Tech-Unternehmen als aussichtsreiche Zukunftsinvestitionen, so folgte mit dem Platzen der Dotcom-Blase und einige Jahre später mit der Finanzkrise die Ernüchterung. Plötzlich waren konservative (Value-) Investments wieder angesagt.

Die Idee, auf Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite zu setzen ist jedoch nicht neu. Als Urvater der Dividenden-Strategie (und des Value-Investing) gilt Benjamin Graham, der 1949 in seinem Standard-Wert The Intelligent Investor empfahl, man solle in die 10 Dow Jones Werte mit dem niedrigsten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) investieren und diese Aktien 1 bis 5 Jahre halten. Ein Handelsansatz, der später in leicht abgeänderter Form als Dogs Of The Dow Strategie in den USA bekannt und beliebt wurde.

Key Takeaways

  • Die Dividendenstrategie setzt auf Aktien mit einer hohen Dividendenrendite.
  • Dividendenaktien erzielen per se keine bessere Gesamtperformance als der Gesamtmarkt.
  • Es sollten weitere fundamentale Faktoren berücksichtigt werden.

Vorteile & Nachteile

Ist mit der Dividendenstrategie eine höhere Performance möglich?

Regelmäßige Einkünfte von 5-10 % des investierten Kapitals klingen zunächst sehr attraktiv. Für die Gesamtperformance einer Aktie (Kursgewinne + Dividenden) macht es jedoch keinen Unterschied, ob die Dividende an die Aktionäre ausgeschhüttet wird oder nicht.

Woher kommt die Dividende?

Die Dividende ist der Teil des Gewinns eines Unternehmens, der an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Jedes Unternehmen kann selbst bestimmen ob eine Dividende ausgezahlt wird und falls ja, wie hoch diese ist.

Dividendenabschlag

Wird eine Dividende ausgeschüttet, fließt Geld aus dem Unternehmen ab, weshalb der Wert des Unternehmens sinkt. Dies macht sich in einem Aktienkurs bemerkbar, der exakt um den Betrag der ausgeschütteten Dividende fällt (Dividendenabschlag). Für einen Aktionär macht es rechnerisch also keinen Unterschied, ob er eine Aktie im Depot hat, die 100 EUR Wert ist und keine Dividende ausschüttet, oder ob das Unternehmen eine Dividende von 5 EUR ausschüttet, der Aktienkurs dann aber nur noch bei 95 EUR notiert.

Dividendenaktien vs Gesamtmarkt

Eine der spannendesten Fragen ist natürlich, ob die Gesamtrendite (Total Performance) von Aktien mit einer hohen Dividendenrendite im Vergleich zum gesamten Aktienmarkt langfristig besser ist. Um dies zu untersuchen, vergleichen wir die Performance einiger ETFs.

S&P 500 vs S&P 500 Dividend Aristocrats

Der S&P 500 Dividend Aristocrats Index beinhaltet Aktien des S&P 500, die in den letzten 25 Jahren jedes Jahr die Dividenden erhöht haben. Wir vergleichen die Total Performance des Index mit der Total Performance des S&P 500. Dazu verwenden wir jeweils ein ETF mit einer adjustierten Kurs-Historie (diese spiegelt die Total Performance/Gesamtrendite wider).

Für den S&P 500 verwenden wir den SPDR S&P 500 ETF (SPY); für den S&P 500 Dividend Aristocrats verwenden wir den Pro Shares S&P 500 Aristocrats ETF (NOBL).

dividendenstrategie_vergleich_spy_nobl

Performance-Chart: S&P 500 vs S&P 500 Dividend Aristocrats

Wie auf dem Screenshot zu erkennen ist, erzielten die beiden Indizes bzw. ETFs in den letzten Jahren eine ähnliche Gesamtrendite. Zwischenzeitlich war eine Outperformance des ein oder anderen ETFs erkennbar, aber mittel- bis langfristig kann man sagen, dass die Performance in etwa gleich war.

Top 10 Dividenden-ETFs vs S&P 500

Als nächstes vergleichen wir die Performance des SPDR S&P 500 ETF (SPY) mit einer Auswahl von fünf der zehn beliebtesten Dividenden-ETFs. Bei der Auswahl habe ich diejenigen ETFs gewählt, welche eine Kurs-Historie haben, die bis ins Jahr 2007 zurück reicht.

Dabei handelt es sich um folgende ETFs:

  • Vanguard Dividend Appreciation ETF (VIG)
  • Vanguard High Dividend Yield ETF (VYM)
  • iShares Select Dividend ETF (DVY)
  • SPDR S&P Dividend ETF (SDY)
  • First Trust Value Line Dividend Index Fund (FVD)

Unter folgendem Link gelangst Du direkt zum aktuellen Performance-Chart: zum aktuellen Chart

Vergleich_Total-Performance_Dividenden_ETFs_Linie

Dividenden ETFs vs SPY (Linien-Chart)

Vergleich_Total-Performance_Dividenden_ETFs_Balken

Dividenden ETFs vs SPY (Balken-Chart)

Die Performance Charts zeigen, dass kein ETF es geschafft hat, langfristig eine deutlich bessere Rendite als der breite Markt zu erzielen. Je nach gewähltem Zeitraum und gewähltem ETF ist lediglich eine zwischenzeitliche Outperformance oder Underperformance erkennbar.

Dividende als Qualitätsmerkmal

Ein Unternehmen kann nur dann kontinuierlich eine Dividende ausschütten und diese Jahr für Jahr erhöhen, wenn Umsatz und Gewinne stabil bzw. wachsend sind. Daher gelten Dividendenaktien bzw. Dividendenaristokraten häufig als Qualitätsaktien.

Lediglich die Dividendenrendite allein zu betrachten, birgt allerdings eine Gefahr: Wenn ein Unternehmen in ernsthaften Schwierigkeiten steck und der Aktienkurs deshalb stark fällt, die Dividende jedoch stabil bleibt, steigt die Dividendenrendite.

D.h. wenn “blind” in Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite investiert wird, werden sich darunter nicht nur Value-Aktien befinden, sondern auch Unternehmen, die ihre besten Tage hinter sich haben.

Deshalb ist es sinnvoll weitere Auswahlkriterien zu verwenden, wenn in Einzelwerte investiert wird, bspw. die Ausschüttungsquote, Umsatz- und Gewinnwachstum, Verschuldungsgrad, Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells etc.

Fazit

Für wen eignet sich die Dividendenstrategie?

Ob ein Unternehmen eine hohe Dividende ausschüttet oder den Gewinn im Unternehmen hält, spielt für die Gesamtrendite einer Aktie zunächst keine Rolle. Deshalb kann eine Dividende auch nicht als Zusatzeinnahme angesehen werden. Dennoch ist die Dividendenstrategie auch bei vielen Privatanlegern beliebt und bietet einige Vorteile.

Einerseits handelt es sich um einen konservativen und eher defensiven Anlageansatz, der mehr auf Stabilität denn auf großes Wachstum setzt. Dividendenaktien sind oft Value-Unternehmen mit langfristig erolfgreichen und krisensicheren Geschäftsmodellen. Hierfür sollte aber nicht die Dividendenrendite das alleinige Auswahlkriterium sein.

Für Anleger, welche die Dividenden nicht reinvestieren wollen und bspw. als eine Art Zusatzrente sehen, kann der regelmäßige und höhere Cashflow auch ein Grund für die Dividendenstrategie sein.

Die Dividendenstrategie kann auch als Teil eines Gesamtportfolios auf einen separten Konto eingesetzt werden und so bspw. ein Gegengewicht zu einer Growth Investing Strategie sein.