Was sind Optionen?

Der vollständige Ratgeber-Artikel zum Thema Optionen & Optionshandel

Autor: Tobias Schmid | Profi-Trader und Website-Betreiber | aktualisiert am: 03.05.2019

Im professionellen Trading sind Optionen (neben Futures, Aktien und ETFs) eines der wichtigsten Handelsinstrumente. Optionen sind extrem vielseitig einsetzbar. So können Gewinne nicht nur durch direktionale Trades entstehen – indem man also die Markt-Richtung richtig „vorhersagt“ – sondern auch dadurch, dass man darauf spekuliert, dass der Markt bspw. nicht unter einen bestimmten Preis fällt, oder dass er sich seitwärts bewegt.

Von einigen Theoretikern werden Optionen als sehr komplexe und schwierig zu verstehende Finanzinstrumente dargestellt. Die Wahrheit ist jedoch, dass Optionen grundsätzlich sehr einfach zu verstehen sind und gerade auch für private Trader hervorragende Chancen bieten.

Natürlich können durch die vielseitige Einsetzbarkeit auch extrem komplexe Strategien gehandelt werden; meiner persönlichen Erfahrung und Überzeugung nach erzielt man aber auch im Optionshandel die besten Ergebnisse mit dem KISS-Prinzip (keep it simple, stupid).

Dieser Artikel erklärt, was Optionen sind und wie Optionen funktionieren. Neben einer Definition und Erklärungen schauen wir uns konkrete Beispiele an, um zu verstehen wie Optionen funktionieren und wie diese eingesetzt werden können.

Was ist eine Option?

Definition & Erklärung

Option – Definition

Eine Option ist ein bedingter Terminkontrakt. Der Käufer einer Option hat das Recht, nicht aber die Pflicht, einen bestimmten Basiswert (Underlying) zum Verfallstermin oder während der Laufzeit zu einem vorher vereinbarten Preis zu kaufen (im Falle einer Call-Option) oder zu verkaufen (im Falle einer Put-Option).

Der Verkäufer einer Option hat – im Falle der Ausübung der Option durch den Käufer – die Pflicht, den Basiswert (Underlying) zum vorher vereinbarten Preis zu liefern (im Falle einer Call-Option) oder den Basiswert zu kaufen (im Falle einer Put-Option).

Sollte das jetzt noch kompliziert klingen: Keine Sorge! Die Funktionsweise von Optionen ist im Grunde sehr simpel und einfach zu verstehen.

Schauen wir uns zuerst die Eigenschaften von Call- und Put-Optionen mit einem Diagramm an. Weiter unten findest Du außerdem zwei Beispiele, welche die Funktionsweise von Optionen erläutern:

Grafik Optionen Call und Put Definition-min

Wie funktionieren Optionen?

Die wichtigsten Fachbegriffe

Lerne die Sprache der Optionshändler

Wortwolke Optionen

Wenn Du ernsthaftes Interesse am Optionshandel hast und Dich tiefer mit der Materie beschäftigen möchtest, werden Dir viele Fachbegriffe über den Weg laufen. Nachfolgend findest Du eine Übersicht über die Wichtigsten Begriffe:

Call

Ein Call ist eine Kauf-Option. Der Käufer einer Call-Option zahlt dem Verkäufer eine Optionsprämie und kann einseitig entscheiden, ob er die Option ausüben möchte und sein Recht zum Kauf des Underlyings somit wahrnimmt.

Put

Ein Put ist eine Verkaufs-Option. Der Käufer einer Put-Option zahlt dem Verkäufer eine Optionsprämie und kann einseitig entscheiden, ob er die Option ausüben möchte und sein Recht zum  Verkauf des Underlyings somit wahrnimmt.

Underlying/Basiswert

Das Underlying – Deutsch: Basiswert – ist das Instrument, auf das sich die Option bezieht. Dies kann bspw. eine Aktie, ein ETF, ein Future oder ein Index sein.

Strike/Basispreis

Der Strike – Deutsch: Basispreis – der Option definiert, zu welchem Kurs/Preis das Underlying vom Optionskäufer gekauft werden kann, falls dieser die Option ausübt.

Verfallsdatum

Optionen haben eine begrenzte „Lebensdauer“, innerhalb derer sie gehandelt und ausgeübt werden können. Jede Option hat einen Verfallstermin. Für jedes Underlying stehen Optionen mit verschiedenen Verfalssterminen zur Verfügung. Je nach Underlying, gibt es Optionen mit wöchentlichen, monatlichen, oder mehrmonatigen Verfallsterminen.

Restlaufzeit

Die Restlaufzeit ist die Anzahl an Tagen, von heute bis zum Verfallstermin bzw. letztem Handelstag der Option.

Moneynness

Die Lage des Strikes einer Option zum aktuellen Marktpreis des Underlyings wird als Moneyness bezeichnet. Eine Option kann am Geld bzw. At The Money (ATM) liegen, im Geld bzw. In The Money (ITM), oder aus dem Geld bzw. Out Of The Money (OTM).

At The Money (ATM)

Eine Option liegt am Geld bzw. At The Money, wenn deren Strike in der Nähe des aktuellen Marktpreises des Underlyings liegt. Bzw.: Die Option, deren Strike am nächsten am aktullen Marktpreis liegt, wird als ATM-Option bezeichnet.

In The Money (ITM)

Eine Call-Option ist In The Money, wenn deren Strike unterhalb des aktuellen Marktpreises des Underlyings liegt. Eine Put-Option ist In The Money, wenn deren Strike oberhalb des aktuellen Marktpreises des Underlyings liegt. In The Money Optionen besitzen einen Inneren Wert und sind deshalb teurer als ATM- oder OTM Optionen.

Out Of The Money (OTM)

Eine Call-Option ist Out Of The Money, wenn deren Strike oberhalb des aktuellen Marktpreises des Underlyings liegt. Eine Put-Option ist Out Of The Money, wenn deren Strike unterhalb des aktuellen Marktpreises des Underlyings liegt. Out Of The Money Optionen besitzen keinen Inneren Wert und sind deshalb billiger als ATM- oder ITM Optionen.

Zeitwert

Optionen besitzen einen Zeitwert. Je länger die Restlaufzeit ist, desto höher ist der Zeitwert, und desto teurer ist deshalb die Option. Der Markt preist mit dem Zeitwert sozusagen die Ungewissheit bzgl. der Zukunft ein.

Zeitwertverfall

Je näher der Verfalsstermin einer Option rückt, desto weniger ungewiss ist die Entwicklung des Underlyings. Daher nimmt der Zeitwert jeden Tag etwas ab. Dies wird als Zeitwertverfall bezeichnet.

Wie funktionieren Optionen? – Erklärung

Beispiele zur Funktionsweise von Optionen

Beispiel 1: Kauf eines Calls auf den Dax

Als Beispiel verwenden wir eine Option auf den Dax Index. Zunächst stellen wir uns vor, wir würden am heutigen Tag einen Call kaufen.

Mit dem Kauf eines Calls spekulieren wir auf steigende Preise. (Genauer gesagt: Wir spekulieren darauf, dass der Dax bis zum Verfallstermin über den Basispreis steigt. Je höher der Dax über den Basispreis steigt, desto höher ist unser Gewinn.)

Zur Erinnerung: Durch den Kauf eines Calls erhalten wir das Recht, das Underlying zum Basispreis zu kaufen.

Sollte der Dax also über den Strike steigen, könnten wir ihn zu einem tieferen Kurs kaufen, wodurch ein Gewinn entstünde. Falls der Dax nicht über den Strike steigt, verfällt der Call wertlos. D.h. die gezahlte Optionsprämie müssten wir als Verlust verbuchen.

Nachdem wir das Underlying (Dax Index) ausgewählt haben, müssen wir uns für einen Strike (Basispreis) und eine Laufzeit entscheiden. Wir entscheiden uns für einen 11400er Call, der am 15.02.2019 verfällt und somit eine Restlaufzeit von 62 Tagen hat. (siehe Screenshot)

Was sind Optionen Beispiel 1 Dax Call

Wir kaufen einen 11400er Call mit 62 Tagen Restlaufzeit

Das nachfolgende Bild zeigt die Optionskette der Dax-Optionen. Wie wir sehen, kostet die Option 111.40 EUR. Diesen Betrag müssen wir mit 5 multiplizieren, da der Multiplikator der DAX-Optionen 5 ist. (Jedes Underlying hat einen eigenen Multiplikator) D.h. der Kauf der des 11400 Calls auf den DAX kostet uns 557 EUR.

Wie funktionieren Optionen Beispiel 1 Option Trader

Der 11400er Call kostet 111.4 EUR x 5 (Multiplikator der DAX Optionen) = 557 EUR

Wann verdienen wir Geld?

Nachdem wir die Option für 557 EUR gekauft haben, gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Bis zum Verfallstermin steigt der DAX NICHT über 11400 Punkte
  2. Bis zum Verfallstermin steigt der DAX über 11400 Punkte

Sollte der DAX nicht über den Strike bei 11400 Punkten steigen (1), würde die Option wertlos verfallen. D.h. die gezahlte Optionsprämie von 557 EUR müssten wir als Verlust verbuchen.

Sollte der DAX am Verfallstermin über dem Strike bei 11400 Punkten notieren (2), würden wir die Differenz x 5 (Multiplikator der DAX-Optionen) als Gewinn verbuchen. Davon müssten wir noch die gezahlte Optionsprämie subtrahieren, da wir diese in keinem Fall zurück erhalten.

Stellen wir uns vor, der Dax steigt bis zum Verfallstermin auf 12000 Punkte.

Wie funktionieren Optionen - Beispiel Dax

Wie wir gelernt haben, hat der Verkäufer der Option die Pflicht, das Underlying zum zuvor festgelegten Basispreis zu liefern.

Da es sich in diesem Fall um Index-Optionen handelt gibt es im Falle einer Ausübung der Option ein sogenanntes Cash Settlement. (siehe Screenshot oben „Settlement-Methode“)

D.h. das Underlying wird nicht physisch geliefert (wie bspw. bei vielen Futures- oder Aktienoptionen, wo im Falle einer Ausübung das Underlying, also der Future oder die Aktien «geliefert» werden); dafür wird die Differenz bar abgerechnet, d.h. der Käufer erhält die Differenz auf sein Konto gebucht, wohingegen der Verkäufer die Differenz als Verlust zu verbuchen hat.

In unserem Beispiel-Trade ist der DAX auf 12000 Punte gestiegen und notiert somit 600 Punkte über dem Strike/Basispreis der Option. Da der Multiplikator 5 ist, beträgt der Gewinn für den Käufer der Option (600 EUR x 5) = 3000 EUR. Da wir die Optionsprämie zuvor gezahlt haben, subtrahieren wir diese vom Gewinn.
Nettogewinn: 3000 EUR – 557 EUR = 2443 EUR.


Beispiel 2: Verkauf eines Puts auf die Google (Alphabet) Aktie

Was vielen Neulingen nicht bewusst ist: Als privater Anleger oder Trader können Optionen nicht nur gekauft, sondern auch verkauft (man sagt auch geschrieben) werden.

Da es sich beim Optionshandel um reale Börsengeschäfte handelt, steht jeder gekauften Option genau eine verkaufte Option gegenüber.

Der Optionsverkäufer erhält die vom Käufer gezahlte Optionsprämie sofort gutgeschrieben. Dafür trägt der Optionsverkäufer das Risiko, falls die Option «ins Geld» läuft, d.h. falls der Basiswert unter den Strike fällt (im Falle eines Puts) bzw. über den Strike steigt (im Falle eines Calls).

Sowohl der Käufer, wie auch der Verkäufer können natürlich auch vor Ende der Laufzeit ihre Position glattstellen und somit das Risiko begrenzen.

Für dieses Beispiel verwenden wir als Underlying die Google-Aktie (bzw. Alphabet, Kürzel: GOOGL). Stellen wir uns vor, wir würden darauf setzen, dass die Aktie einem Ende der Korrektur nahe ist, und bald wieder zu steigen beginnt.

Statt einen Call zu kaufen, verkaufen wir nun ein Put-Option.

Damit setzen wir darauf, dass die Aktie am Verfallstag über dem Strike notiert. Da wir nicht ausschließen können, dass der Kurs noch ein klein wenig weiter fällt oder evtl. seitwärts läuft, entscheiden wir uns für den Verkauf einer „out-of-the-money“ Put-Option.

Wir verkaufen einen 900er Put der am 15.2 verfällt.

GOOGL Beispiel Verkauf Put-Option-min

GOOGL Optionskette

Mit dem Verkauf des Puts erhalten wir die Optionsprämie von 930 USD sofort gutgeschrieben. Diese können wir in jedem Fall behalten, egal wie sich der Trade entwickelt.

Wir setzen darauf, dass die Option wertlos verfällt, d.h. dass die Google-Aktie bis zum Verfallstermin nicht unter den Basispreis fällt und wir die 930 USD als Gewinn verbuchen können.

Wo liegt das Risiko? Wann verdienen wir Geld?

Das nachfolgende Bild zeigt, dass wir nicht nur bei steigenden Preisen Geld verdienen, sondern auch bei einer Seitwärts-Bewegung, oder sogar bei moderat fallenden Preisen. Sol lange die Aktie am Verfallstag über dem Strike notiert, verfällt die Option wertlos und wir verbuchen einen Gewinn von 930 USD.

GOOGL Beispiel Verkauf Put-Option 02-min

Wo ist der Haken?

Schon auf den ersten Blick ist erkennbar, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Option wertlos verfällt hoch ist. Nur wenn die Aktie unter den Strike fällt, verlieren wir Geld.

Unser maximaler Gewinn ist nun also auf die Optionsprämie begrenzt. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Option wertlos verfällt und uns einen Netto-Gewinn einbringt sehr hoch, da wir bei steigenden Preisen ebenso Geld verdienen, wie bei seitwärts laufenden Preisen, oder sogar bei leicht fallenden Preisen.

Sollte die Google-Aktie am Verfallstermin unterhalb des Strikes notieren, erleiden wir einen Verlust. Der Käufer des Puts, hätte das Recht, zum Strike-Preis von 900 USD zu verkaufen; wir wären verpflichtet zum Strike-Preis zu kaufen.

Da die Option ins Geld gelaufen wäre, käme es – falls wir die Option nicht vorher zurück kaufen – zur Ausübung und wir hätten 100 Google Aktien im Depot. Diese könnten wir sofort zum Marktpreis wieder verkaufen.

Der Verlust würde also die Punkte-Differenz * Multiplikator (100) betragen. Würde die Aktie bspw. auf 850 USD fallen, entstünde ein Verlust von:

(900 USD – 850 USD)*100 – eingenommene Prämie = (50 USD*100) + 930 USD = 4070 USD

Das „Problem“ dabei ist, dass unser potentieller Verlust theoretisch (fast) unbegrenz ist. (Die Aktie kann theoretisch auf Null fallen) Daher ist beim Verkauf von Optionen ein gutes Risiko-Managment enorm wichtig. D.h. sollte die Aktie schnell fallen, würden wir nicht bis zum Verfallstermin warten, sondern vorher die Option zurückkaufen, um den Verlust zu begrenzen.

Experten-Tipp

Der Verkauf von Out-Of-The-Money-Optionen ist eine der attraktivsten Tradingstrategien um regelmäßige Einnahmen an der Börse zu generieren. Optionen zu kaufen ist in den allermeisten Fällen langfristig ein „Loser’s Game“

Optionen vs Futures

Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Vor- & Nachteile

Da Optionen und Futures häufig in einem Atemzug genannt werden, schauen wir nun auf die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Gemeinsamkeiten

  • beides sind Terminkontrakte
  • reale Börsen-Transaktionen (im Gegensatz zu CFDs, Optionsscheinen o.ä.)
  • werden an Termin-Börsen gehandelt
  • jedem Käufer steht ein Verkäufer gegenüber
  • Kauf- und Verkauf möglich (Long & Short)

Unterschiede

  • Optionen sind bedingte Terminkontrakte
  • Optionen ermöglichen nicht-direktionale Trades
  • Optionen bieten vielfältigere Einsatzmöglichkeiten

Weitere Informationen findest Du in unserem Artikel: „Der Unterschied zwischen Optionen und Futures“

Der Unterschied zwischen Optionen und Futures

Optionen vs Optionsscheine

Am Ende gewinnt immer die Bank

Optionen sind hierzulande leider relativ unbekannt. Optionsscheine hingegen sind vielen Privatanlegern ein Begriff. Daher herrscht häufig Unwissenheit, dass es sich dabei um zwei gänzlich unterschiedliche Produkte handelt.

Dieses Durcheinanderwerfen der Begriffe und die Unwissenheit bzgl. der Unterschiede zwischen Optionen und Optionsscheinen werden von der hiesigen Finanzindustrie bewusst gefördert. Teilweise wird zudem vor den vermeintlichen Gefahren von Optionen gewarnt und von den Vorteilen von Optionsscheinen gesprochen.

Optionsscheine bieten natürlich viele Vorteile… für die Bank.

Mit Optionsscheinen dauerhafte Profite durch Trading zu erwirtschaften ist unserer Überzeugung nach fast unmöglich. Beim Handel von Optionsscheinen handelt man gegen die Bank; beim Handel von Optionen hingegen triftt reales Angebot auf reale Nachfrage und der Handel findet an einer regulierten Terminbörse statt. Zudem sind Optionen standardisierte Kontrakte.

Fun-Fact am Rande

In den USA sind Optionsscheine verboten, Optionen hingegen werden rege gehandelt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! 😉

Für weitere Informationen empfehlen wir Dir unseren Artikel: „Der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen“

Der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen

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