Autor: Tobias SchmidAutor: Tobias Schmid | Profi-Trader und Website-Betreiber
veröffentlicht am: 02.02.2019 | aktualisiert am: 09.11.2019

Optionen sind sehr vielseitig einsetzbar. Auf dieser Seite geben wird Dir einen Überblick über die wichtigsten Optionsstrategien und erklären, worauf es bei der Wahl der Optionsstrategie ankommt, und wodurch sich die einzelnen Strategien unterscheiden.

Zu jeder Optionsstrategie findest Du außerdem einen extra Artikel mit weiteren detaillierteren Informationen.

Direkt zu den einzelnen Optionsstratgien:

Long Call
Short Call
Long Put
Short Put
Long Straddle
Short Straddle
Long Strangle
Short Strangle

Optionsstrategien im Überblick

Übersichtstabelle der wichtigsten Optionsstrategien

In der nachfolgenden Übersichtstabelle haben wir die gängigsten Optionsstrategien sowie deren wichtigste Parameter zusammengefasst.

+ = long
– = short
Credit = Guthaben wird bei Eröffnung des Trades auf Dein Konto gebucht
Debit = Eröffnung des Trades kostet Guthaben
Long Vega = Trade/Strategie profitiert von steigender Volatilität
Short Vega = Trade/Strategie profitiert von fallender Volatilität

Strategie besteht aus Credit/Debit? Zeitwertverfall Volatilität Marktmeinung
Long Call +1 Call Debit leidet Long Vega bullisch
Short Call -1 Call Credit profitiert Short Vega bärisch/seitwärts
Long Put +1 Put Debit leidet Long Vega bärisch
Short Put -1 Put Credit profitiert Short Vega bullisch/seitwärts
Long Straddle +1 Call; +1 Put
(gleicher Strike)
Debit leidet Long Vega starke Bewegung
(Richtung egal)
Short Straddle -1 Call; +1 Put
(gleicher Strike)
Credit profitiert Short Vega seitwärts
Long Strangle +1 Call (OTM); +1 Put (OTM)
(untersch. Strikes)
Debit leidet Long Vega starke Bewegung
(Richtung egal)
Short Strangle -1 Call (OTM); -1 Put (OTM)
(untersch. Strikes)
Credit profitiert Short Vega seitwärts

Die Wahl der richtigen Optionsstrategie

Unterscheidungsmerkmale der Optionsstrategien

Für jedes Underlying, auf das Optionen handelbar sind, gibt es Optionen mit verschiedenen Laufzeiten und Strikes, welche sowohl gekauft als auch verkauft werden können. Diese können beliebig miteinander kombiniert werden. Zudem können Optionen mit Long- oder Short-Positionen im Underlying kombiniert werden.

Insgesamt stehen einem jeden Optionshändler somit eine Vielzahl unterschiedlicher Strategien zur Verfügung, die sehr simpel, aber auch sehr komplex sein können. Nachfolgend werfen wir einen kurzen Blick auf die Unterscheidungsmerkmale:

Kauf vs Verkauf

Eine der wichtigsten Fragen beim Optionshandel ist, ob Geld durch den Kauf oder durch den Verkauf von Optionen verdient werden soll.

Als Optionskäufer hat man zunächst eine Ausgabe, indem man die Optionsprämie zahlt. Der Optionsverkäufer verdient hingegen quasi unverzüglich die Optionsprämie, wobei natürlich auch ein Verlust entstehen kann, wenn die Option später teurer zurückgekauft werden muss oder im Geld verfällt.

Dennoch wird hierdurch bereits der Unterschied der beiden Handelsansätze deutlich. Vereinfacht ausgedrückt: Der Optionskäufer zahlt als erstes Geld, und es ist eine (meist deutliche) Bewegung des Underlyings notwendig, um Geld zu verdienen. Der Optionsverkäufer erhälts sofort Geld, und verliert dieses nur wieder, wenn eine starke Bewegung des Underlyings gegen ihn auftritt.

Vor- und Nachteile

Vorteile des Optionskaufs:

  • Begrenzter Verlust
  • Sehr hoher Gewinn möglich

Nachteile des Optionskaufs:

  • geringere Erfolgswahrscheinlichkeit
  • sehr gutes Timing notwendig
  • Gewinn nur bei deutlicher Bewegung des Underlyings
  • Zeitwertverfall wirkt gegen Optionskäufer

Vorteile des Optionsverkaufs:

  • hohe Erfolgswahrscheinlichkeit (bei Verkauf von OTM-Optionen)
  • Verlust nur bei deutlicher Bewegung des Underlyings in die “falsche” Richtung
  • Zeitwertverfall wirkt sich positiv aus

Nachteile des Optionsverkaufs:

  • hoher Verlust möglich (deshalb Risikomanagement sehr wichtig)
  • Gewinn begrenzt

Naked vs Spread

Verkauft man eine einzelne (ungedeckte) Option, so spricht man von einem Naked Call bzw. von einem Naked Put. Eine weitere Art von Optionsstrategien bilden die sogenannten vertikalen Spreads. Folgende Optionsstrategien werden als vertikale Spreads bezeichnet:

  • Bull Put Spread
  • Bear Call Spread
  • Bear Put Spread
  • Bull Call Spread

Wird bei einem Naked Call (Short Call) eine zusätzliche Call-Option mit einem höheren Strike gekauft, spricht man von einem Bear Call Spread. Dabei wird der mögliche Verlust begrenzt, jedoch verringert sich auch die Prämieneinnahme. Das Pendant mit Put Optionen heißt Bull-Put-Spread (verkaufter Put + gekaufter Put mit tieferem Strike).

Ebenso kann eine Call-Option mit tieferem Strike gekauft werden (Bull Call Spread), was dem Kauf einer einzelnen Call-Option ähnelt, jedoch die Optionsprämie insg. verringert und dafür den möglichen Gewinn begrenzt. Auf ein bärisches Marktszenario kann ebenso mit einem Bear-Put Spread gesetzt werden, wobei sich hier ebenfalls die Optionsprämie verringert und dafür der mögliche Gewinn begrenzt wird (gekaufter Put + verkaufter Put mit tieferem Strike).

Anzahl Legs

Als “Leg” bezeichnet man die einzelnen Bestandteile einer Optionsstrategie. Der Kauf oder Verkauf einer Option (oder mehrerer Optionen) ist also eine Strategie mit einem Leg.

Vertikale Spreads (siehe oben) haben zwei Legs. Zudem gibt es weitere Optionsstrategien mit vier Legs oder noch mehr.

Je mehr Legs eine Optionsstrategie hat, desto teurer werden die Komissionen. Bei einer Strategie wie einem Iron Condor (vier Legs) zahlt man inkl. Schließen der Position schon 8 Mal Komissionen. Dieses Geld muss also mit dem Trade erst mal verdient werden.

Außerdem werden Optionsstrategien desto komplexer, je mehr Legs sie haben. Das heißt nicht, dass eine Optionsstrategie mit vielen Legs in bestimmten Situationen nicht auch eine gute Wahl sein kann. Allerdings sollte man sich genau bewusst sein, wie der Gesamt-Trade auf Veränderungen des Underlyings und der Griechen reagiert.

Delta Long vs Delta Short

Das Delta einer Option zeigt uns, ob und wie stark der Preis der Option bei einem Anstieg des Underlying steigt oder fällt.

Ein positives Delta bedeutet, der Optionspreis steigt, wenn das Underlying steigt, bzw. der Optionspreis fällt, wenn das Underlying fällt. Ein negatives Delta bedeutet, der Optionspreis steigt, wenn das Underlying fällt, bzw. der Optionspreis fällt, wenn das Underlying steigt.

Zu beachten ist:

  • Kauf eines Calls = Delta positiv (Delta Long)
  • Verkauf eines Calls = Delta negativ (Delta Short)
  • Kauf eines Puts = Delta negativ (Short Delta)
  • Verkauf eines Puts = Delta positiv (Long Delta)

Insb. bei Kombinationsstrategien ist darauf zu achten, ob das Delta positiv oder negativ ist.

Das Delta kann auch neutral sein, wodurch die Gesamtposition bei Bewegungen des Underlyings theoretisch (bei sonst gleich bleibenden Umständen) weder einen Gewinn, noch einen Verlust erzielt.

Theta Long vs Theta Short

Optionen besitzen einen Zeitwert, der bis zum Verfall der Option kontinuierlich abnimmt. Als Optionshändler kann man vom Zeitwertverlust profitieren, oder aber darunter leiden.

Der Einfluss der Zeit auf den Optionspreis, wird durch die Optionskennzahl Theta verdeutlicht. Das Theta ist quasi immer negativ, da der Zeitwert einer Option von Tag zu Tag abnimmt.

Durch den Kauf einer Option, hat die Position also ein negatives Theta; der Optionskäufer ist Short Theta. Der Trade leidet unter dem Zeitwertverlust. Durch den Verkauf einer Option hat die Position ein positives Theta, der Optionsverkäufer ist somit Long Theta. Der Trade profitiert vom Zeitwertverlust.

Bei dem Kauf oder Verkauf einer einzelnen Options ist “Berechnung” des Thetas sehr einfach. Werden komplexere Strategien, bzw. Strategien mit mehreren Legs gehandelt, sollte man das Theta des Gesamt-Trades berechnen, um zu wissen, ob der Trade vom Zeitververlust profitiert oder darunter leidet. Das Theta des Gesamt-Trades kan errechnet werden, indem man die Thetas der einzelnen Trades addiert.

Vega Long vs Vega Short

Einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf den Optionspreis ist die implizite Volatilität. Steigt diese, so wird die Option teurer; fällt sie, so wird die Option günstiger. Langfristig unterliegt die IV dem Mean Reversion Effekt und kehrt zu ihrem Mittelwert zurück, weshalb der Kauf einer Option bei niedriger IV und der Verkauf einer Option bei hoher IV sinnvoll ist.

Die implizite Volatilität wird durch die Optionskennzahl Vega ausgedrückt. Es ist sehr wichtig zu wissen, ob ein Trade ein positives oder eine negatives Vega hat, ob der Trade also von steigender oder von fallender Volatilität profitiert. (Bzw. ob man Long Vega oder Short Vega ist.)