Short Put2020-01-06T21:03:39+01:00

Autor: Tobias SchmidAutor: Tobias Schmid | Profi-Trader und Website-Betreiber
aktualisiert am: 06.01.2020

Put-Optionen sind im klassischen Sinne Instrumente zur Absicherung gegen Kursschwankungen bzw. Kursverluste von Aktien oder anderen Finanzinstrumenten. Für jeden Käufer eines Put, wird allerdings auch ein Verkäufer als Gegenpart benötigt. Dessen Position (verkaufte Put-Option) wird als Short Put bezeichnet. Short Puts können zu Trading-Zwecken bei einem neutralen bis bullischen Marktumfeld spekulativ eingesetzt werden, oder aber mit der Intention, das Underlying zu kaufen, falls es am Verfallstermin unter dem Basispreis der Option notiert.

In diesem Artikel lernst Du, was ein Short Put ist und welche Einsatzmöglichkeiten dieser bietet.

Was ist ein Short Put?

Definition

Der Verkauf einer Verkaufsoption wird als Short Put bezeichnet. Der Verkäufer eines Puts (Short-Put-Position) hat, im Falle einer Ausübung der Option durch den Optionskäufer, die Pflicht, das Underlying zu kaufen. Der Optionskäufer entscheidet einseitig über die Ausübung der Option. Der Optionsverkäufer erhält vom Käufer für die eingegangene Verpflichtung eine Optionsprämie.

Der maximale Verlust ist theoretisch unbegrenzt, weshalb ein striktes Risiko- und Moneymanagement unabdingbar ist. Ein Short Put ist eine neutrale bis bullische Optionsstrategie.

Key Takeaways

  • Der Verkauf einer Verkaufsoption wird als Short Put bezeichnet
  • Short Puts eignen sich zur Spekulation auf seitwärts oder aufwärts tendierende Preise
  • Aufgrund des theoretisch unbegrenzten Risikos ist beim Verkauf eines Naked Put ein striktes Risikomanagement notwendig
  • Verfolgt man mit dem verkauften Put das Ziel, das Underlying allenfalls zu kaufen, wird diese Strategie als Cash Secured Put bezeichnet.

Short Put im Überblick

Die wichtigsten Informationen zusammengefasst

Gewinn und Verlust Diagramm (GuV)

Komponenten – 1 Put
Marktmeinung neutral, bullisch
Credit/Debit Credit
Zeitwertverfall profitiert
Vega Short Vega
max. Gewinn Credit (eingenommene Prämie)
max. Verlust undefiniert
Break Even Point Strike – Debit

+ = long
– = short
Credit = Guthaben wird bei Eröffnung des Trades auf Dein Konto gebucht
Debit = Eröffnung des Trades kostet Guthaben
Long Vega = Trade/Strategie profitiert von steigender Volatilität
Short Vega = Trade/Strategie profitiert von fallender Volatilität

GuV Diagramm eines Short Put

Gewinn und Verlust am Verfallstag

GuV Diagramm eines short put

Der maximale Gewinn eines Short Put wird durch die Optionsprämie definiert.

Beispiel: Verkauf eines Put auf den S&P 500 E-Mini Future

Short Put als Stillhalter-Strategie

Stelle Dir vor, Du hast eine neutrale bis bullische Markteinschätzung für den amerikanischen Aktienmarkt und rechnest am heutigen 04.01.2020 damit, dass der S&P 500 mittelfristig seinen Trend fortsetzen wird. Eine kurzfristige Korrektur möchtest Du jedoch auch nicht ausschließen. Aus diesem Grund entscheidest Du Dich für einen Short Put auf den S&P 500 E-Mini Future (Kürzel: ES) mit einer Restlaufzeit von 77 Tagen und einem Basispreis bei 2800 Punkten. Der Multiplikator der ES-Optionen beträgt 50, weshalb Du für die verkaufte Option insg. 12 USD * 50 = 600 USD einnimmst.

Sollte der Future am Verfallstag über dem Basispreis bei 2800 Punkten notieren, erzielst Du einen Gewinn von 600 USD. Der Break Even Point liegt 12 Punkte (= Optionspreis) unter dem Basispreis. Darunter ist der Verlust theoretisch unbegrenzt. Deshalb wird ein kluger Optionshändler im Falle eines schnellen und deutlichen Kursrückgangs bereits vorher die Option zurückkaufen und einen Verlust realisieren, oder den Trade rollen, absichern, oder adjustieren.

Short_Put_GuV_Chart_ES

Short Put mit Basispreis 2800 und einer Restlaufzeit von 77 Tagen

Wann ist ein Short Put sinnvoll?

Marktmeinung & Einsatzmöglichkeiten im Überblick

Durch den Verkauf einer Put-Option (Short Put) erhält der Optionsverkäufer die vom Optionskäufer gezahlte Optionsprämie. Neben dem Erzielen einer Einnahme durch die Optionsprämie werden Short Puts allerdings auch häufig mit der Intention eingesetzt, das Underlying kaufen zu wollen, falls dessen Preis fällt. Bei letzterem funktioniert der Short Put also ähnlich wie eine Buy Limit Order, mit dem Unterschied, dass dabei eine Zusatzeinnahme entsteht.

Überblick: Einsatzmöglichkeiten von Short Puts

Commercials

  • Cash Secured Put zum Kauf von Rohstoffen oder Aktien

Trader/Investoren

  • Naked Put zur Spekulation auf steigende oder seitwärts laufende Preise
  • Cash Secured Put zum Kauf von Aktien (oder Rohstoff-Futures)
  • Covered Put (Zusatzeinnahme bei Shortposition im Underlying)

Schauen wir uns die Einsatzmöglichkeiten der einzelnen Marktteilnehmer etwas genauer an:

Die Rolle der Commercials/Hedger

Futures und Optionen als «Versicherung» gegen Preisrisiken

Kommerzielle Marktteilnehmer – auch Commercials oder Hedger genannt – sind einer der Hauptakteure an den Futures- und Optionsmärkten. Commercials nutzen Futures und Optionen, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern (zu hedgen).

Grundsätzlich haben Commercials/Hedger verschiedene Möglichkeiten zum Hedging:

Überblick: Hedging- Methoden für Commercials

  • Long Future (Absicherung gegen steigende Preise)
  • Short Future (Absicherung gegen fallende Preise)
  • Long Call (Absicherung gegen steigende Preise)
  • Short Call (Festsetzen eines Verkaufspreises + Zusatzeinnahme – bspw. für Roshstoffproduzent oder Investor = Covered Call)
  • Long Put (Absicherung gegen fallende Preise)
  • Short Put (Festsetzen eines Kaufpreises + Zusatzeinnahme – bspw. bei Rohstoffbedarf oder zum Kauf von Aktien = Cash Secured Put)

Der Short Put aus Sicht der Commercials

Was nun konkret den Short Put betrifft, so macht dessen Einsatz für einen kommerziellen Marktteilnehmer dann Sinn, wenn er diesen als Cash Secured Put einsetzt. D.h. mit dem Verkauf der Put-Option wird das Ziel verfolgt, das Underlying zu kaufen, falls dessen Preis fällt.

In diesem Fall funktioniert der Short Put bzw. der Cash Secured Put also ähnlich wie eine Buy Limit Order. Der Vorteil gegenüber der Buy Limit Order besteht in der Zusatzeinnahme durch die Optionsprämie. Diese Zusatzeinnahme kann der Optionsverkäufer behalten, unabhängig davon, ob die Option ausgeübt wird oder nicht.

Futures und Optionen für kommerzielle Marktteilnehmer.

Futures- und Optionsmärkte wurden ursprünglich für kommerzielle Marktteilnehmer erschaffen, um sich gegen Preisschwankungen absichern zu können

Beispiele für den Einsatz von Cash Secured Puts

Commercials agieren an verschiedenen Märkten. Ein Trader oder Portfoliomanager in einem Pensions- oder Aktienfond kann beispielsweise als kommerzieller Marktteilnehmer eingestuft werden und könnte Short Puts einsetzen, wenn er Aktien zu einem günstigeren Preis kaufen möchte und somit eine Zusatzeinnahme generieren.

Unternehmen die Rohstoffe produzieren, verarbeiten oder mit Rohstoffen handeln, agieren ebenso als Commercials an den Futures- und Optionsmärkten. Ein Unternehmen, dass bspw. große Mengen an Zucker benötigt, aktuell allerdings keinen akuten Bedarf hat, könnte Cash Secured Puts schreiben, um im Falle eines Preisrückgangs den benötigten Rohstoff (Zucker) günstig einkaufen zu können.

Experten-Tipp

Solltest Du Aktien oder Futures per Limit Order kaufen, so ist ein Cash Secured Put evtl. die intelligentere Methode.

Short Put als Trading Strategie

Einsatzmöglichkeiten von Short Puts für private Trader

Im Trading werden Short Puts zu verschiedenen Zwecken eingesetzt.

Überblick: Short Put Strategien für Trader

  • Naked Put (Ungedeckter Put)
  • Cash Secured Put (Cash-gedeckter Put)
  • Covered Put (durch Underlying gedeckter Put)

Naked Put / Uncovered Put

Als Naked Put – bzw. uncovered put, also «nackter Put» bzw. ungedeckter Put – wird der Verkauf einer Put Option bezeichnet, wobei der Optionsverkäufer als Stillhalter agiert und die erforderliche Barreserve oder das Underlying (im Falle eines Short Puts eine Short Position im Underlying) nicht im Depot hat bzw. keine Interesse an einer Ausübung der Option hat (auch wenn er theoretisch eine entsprechende Barreserve hat).

Der Optionsverkäufer spekuliert darauf, dass die Option wertlos verfällt und ein Gewinn durch die eingenommene Optionsprämie entsteht. Er hat also in der Regel eine bullische oder neutrale Marktmeinung, da er einen Gewinn verbuchen kann, falls das Underlying im Preis steigt, aber auch wenn es seitwärts tendiert oder sogar leicht fällt.

Cash Secured Put

Als Cash Secured Put wird der Verkauf einer Put Option bezeichnet, wobei der Optionsverkäufer bereit ist, das Underlying zu kaufen, falls die Option ins Geld läuft.

Wenn Du also bspw. 100 Apple-Aktien kaufen möchtest, falls der Preis 10% fällt, da Dir der aktuelle Marktpreis zu teuer ist, kannst Du eine Put Option schreiben mit einem Basispreis der 10% unter dem aktuellen Marktpreis liegt. Sollte die Option am Verfallstag im Geld liegen, bekommst Du das Underlying eingebucht und kannst außerdem die zuvor eingenommene Optionsprämie behalten.

Sollte die Option wertlos verfallen, erzielst Du einen Gewinn durch die Optionsprämie. Gegenüber einer Buy Limit Order ist ein Cash Secured Put also die bessere Wahl. Optionshändler sprechen in diesem Zusammenhang häufig davon «sich fürs Warten zahlen zu lassen».

Covered Put

Von einem Covered Put ist die Rede, wenn die verkaufte Put Option durch eine Short-Position des Underlyings gedeckt ist. D.h. wenn Du bspw. im Crude Oil WTI Future (CL) bei 50 USD eine Short-Position eröffnest, und bei 45 USD eine Option auf den Future verkaufst, dient die verkaufte Option als eine Art Take Profit.

Sollte der Ölpreis am Verfallstag unterhalb von 45 USD notieren, würdest Du den Future long ins Depot gebucht bekommen. Da du bereits eine Short-Position im gleichen Underlying hast, bist du wieder «flat».

Der Covered Put ist das Gegenstück zum Covered Call.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist ein Call?2020-01-06T20:55:57+01:00

Ein Call ist eine Kaufoption. Der Käufer einer Call-Option hat das Recht, einen Basiswert (Underlying) zu einem bestimmten Preis (Basispreis/Strike) zu kaufen. Der Verkäufer einer Call-Option hat die Pflicht – im Falle einer Ausübung der Option – das Underlying zum vereinbarten Preis (Basispreis/Strike) zu verkaufen.

Was ist ein Long Call?2020-01-25T19:58:27+01:00

Der Kauf einer Call-Option wird als Long Call bezeichnet. DerOptionskäufer hat das Recht, einen Basisert (Underlying) am Verfallstag bzw. während der gesamten Laufzeit der Option zum Basispreis zu kaufen. Für dieses Recht zahlt er eine Optionsprämie an den Optionsverkäufer (Stillhalter).

Was ist ein Short Call?2020-01-25T19:58:43+01:00

Der Verkauf einer Kaufoption wird als Short Call bezeichnet. Der Optionsverkäufer ist im Falle einer Ausübung der Option verpflichtet, dem Optionskäufer das Underlying zu liefern, also zu verkaufen. Der Optionsverkäufer erhält vom Käufer für die eingegangene Verpflichtung eine Optionsprämie.

Was ist ein Put?2020-01-06T20:50:46+01:00

Ein Put bzw. eine Put-Option ist eine Verkaufsoption. Der Optionskäufer hat das Recht, einen Basiswert  zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Der Optionsverkäufer hat die Pflicht – falls der Käufer die Option ausübt – das Underlying zum vereinbarten Preis zu kaufen.

Was ist ein Long Put?2020-01-06T20:48:06+01:00

Der Kauf einer Verkaufsoption (Put-Option) wird als Long Put bezeichnet. Als Käufer eines Puts erhält man das Recht, einen bestimmten Basiswert zu einem zuvor vereinbarten Preis an einem bzw. bis zu einem bestimmten Datum zu verkaufen.

Was ist ein Short Put?2020-01-06T20:46:05+01:00

Der Verkauf einer Verkaufsoption wird als Short Put bezeichnet. Der Optionsverkäufer hat die Pflicht, im Falle einer Ausübung der Option, das Underlying zu kaufen und erhält vom Käufer für die eingegangene Verpflichtung eine Optionsprämie.

Was ist eine Option?2020-01-11T11:31:29+01:00

Eine Option ist ein bedingter Terminkontrakt. Der Optionskäufer hat das Recht, einen bestimmten Basiswert (Underlying) zum Verfallstermin oder während der Laufzeit zu einem vorher vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Der Optionsverkäufer hat – im Falle der Ausübung der Option – die Pflicht, den Basiswert zum vorher vereinbarten Preis zu liefern (Call) bzw. den Basiswert zu kaufen (Put).

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