Short Strangle

Short Strangle2020-01-13T14:09:17+01:00

Autor: Tobias SchmidAutor: Tobias Schmid | Profi-Trader und Website-Betreiber
aktualisiert am: 11.01.2020

Der Short Strangle ist unter Optionsverkäufern (Stillhaltern) eine sehr beliebte Strategie. Durch den Verkauf einer Call- und einer Put-Option wird eine Prämieneinnahme generiert und es wird darauf spekuliert, dass das Underlying während der Restlaufzeit der Option bzw. zum Verfallstermin zwischen den Strikes der verkauften Optionen notiert. Der Short Strangle kann bei neutraler Markteinschätzung delta-neutral gehandelt werden, oder bei einer direktionalen Markteinschätzung als “Skewed Strangle” gehandelt werden.

Was ist ein Short Strangle?

Ein Short Strangle ist eine Optionsstrategie, die aus einem verkauften Out Of The Money Call und einem verkauften Out Of The Money Put besteht. Der Short Strangle erzielt den maximalen Gewinn, wenn sich das Underlying am Verfallstag zwischen den Strikes der beiden verkauften Optionen befindet.

Durch den Verkauf von Call- und Put-Optionen besitzt der Short Strangle ein negatives Vega und profitiert von einem Rückgang der impliziten Volatilität. Zusätzlich profitiert die Strategie vom Zeitwertverfall der Optionen.

Die Margin-Anforderungen sind nicht höher als bei Naked Calls oder Naked Puts, da der Short Strangle nicht auf beiden Seiten (Calls + Puts) gleichzeitig in den Verlust laufen kann. Anders ausgedrückt: Es wird nur ein mal Margin berechnet, obwohl zwei Optionen verkauft werden.

Short Strangle im Überblick

Die wichtigsten Informationen zusammengefasst

Gewinn und Verlust Diagramm (GuV)

Komponenten – 1 Call, – 1 Put (beide OTM)
Marktmeinung neutral
Credit/Debit Credit
Zeitwertverfall profitiert
Vega Short Vega
max. Gewinn Credit (eingenommene Prämie)
max. Verlust undefiniert
Break Even Point 1 Strike Call + Credit
Break Even Point 2 Strike Put – Credit

+ = long
– = short
Credit = Guthaben wird bei Eröffnung des Trades auf Dein Konto gebucht
Debit = Eröffnung des Trades kostet Guthaben
Long Vega = Trade/Strategie profitiert von steigender Volatilität
Short Vega = Trade/Strategie profitiert von fallender Volatilität

Das GuV Diagramm eines Short Strangle

Gewinn und Verlust in Abhängigkeit des Preises des Underlyings

Beim Blick auf das GuV Diagramm erkennt man, dass der Short Strangle eine maximale Gewinnzone hat, die zwischen den Strikes der verkauften Optionen liegt. Die Break Even Points liegen einige Punkte über dem Strike des Calls bzw. unter dem Strike des Puts.

Die Break Even Points lassen sich berrechnen, in dem man den Credit, also die eingenommene Prämie, auf den Strike des Calls addiert, bzw. vom Strike des Puts subtrahiert.

short strangle

Short Strangle: GuV Diagramm

Short Strangle in der Praxis

Tipps für den Handel von Strangles

Implizite Volatilität beachten

Ein Short Strangle ist insbesondere in einem Umfeld hoher impliziter Volatilität (IV) sinnvoll. Ist die IV gestiegen, so lassen sich Optionen verkaufen, die sehr weit aus dem Geld liegen. D.h. das Underlying müsste eine sehr starke Bewegung vollziehen, um ins Geld zu laufen. Der Trade profitiert also sowohl von seitwärts verlaufenden Kursen, wie auch von moderat steigenden oder fallenden Kursen.

Außerdem lässt sich in einem Umfel hoher IV auf einen Rückkehr der Volatilität zu ihrem Mittelwert (Reversion To The Mean) spekulieren, was mittelfristig immer geschieht.

Delta der Optionen

Das Delta einer Option gibt an, wie stark sich der Preis einer Option verändert, wenn sich das Underlying um eine Einheit bewegt. Außerdem ist es eine Art Schätzung des Marktes, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Option am Verfallstag im Geld liegt. D.h. je tiefer das Delta, desto wahrscheinlicher ist ein wertloser Verfall der Option.

Hier gilt es ein gutes Verhältnis zwischen Prämieneinnahme und Risiko zu finden. Bei einer At The Money Option wäre bsw. die Prämieneinnahme am höchsten, aber ebenso das Risiko, dass die Option In The Money verfällt. Meiner Erfahrung nach eignen sich Optionen mit einem Delta zwischen 5-15 sehr gut für Short Strangles.

Je nachdem, ob Du eine neutrale oder leicht bullische oder bärische Markteinschätzung hast, kannst Du auch einen “Skewed Strangle” handeln. Gehst Du bspw. von moderat steigenden Preisen aus, so könntest Du Call-Optionen mit einem Delta von 7, und Put-Optionen mit einem Delta von 12 verkaufen.

Möchtest Du neutral positioniert sein, so kannst Du den Strangle deltaneutral handeln.

Volatility-Skew beachten

Der Unterschied zwischen den impliziten Volatilitäten von Optionen unterschiedlicher Strikes wird als “Volatility Skew” bzw. “Vola-Skew” bezeichnet. Der Vola-Skew kann allerdings je nach Underlying und/oder Marktbedingungen verschiedene Formen annehmen.

So kommt es bspw. vor, dass die IV von ATM-Optionen am geringsten ist und die IVs der Calls und Puts mehr oder weniger gleichförmig steigen, je weiter der Strike der Option aus dem Geld ist. Diese Situation wird als Vola-Smile bezeichnet.

An den Aktienmärkten ist es jedoch üblich, dass Put-Optionen verhältnismäßig teurer sind als Call-Optionen, bzw. die IVs von Puts höher sind als die IVs von Calls.

An den Rohstoffmärkten ist häufig das Gegenteil zu beobachten. D.h. Call-Optionen haben höhere implizite Volatilitäten als Put-Optionen und sind deshalb teurer.

Je nach Marktbedingungen kommt es jedoch auch häufig vor, dass eines der genannten Szenarien nur zeitweise auftritt oder sich zeitweise verstärkt. Wenn es z.B. zu einer vorrübergehenden Angebots-Knappheit eines Rohstoffes kommt, ist meist zu beobachten, dass die IVs der Call-Optionen stark ansteigen (Forward Skew).

Als Optionshändler sollte man daher vor der Eröffnung eines Trades den Vola-Skew analysieren und in die Trade-Entscheidung bzw. die Auswahl der Optionen miteinbeziehen. So kann es bei einem sehr stark ausgeprägten Skew bspw. Sinn machen, einen Strangle statt Short Puts oder Short Calls zu handeln, oder es kann sinnvoll sein, auf einer Seite Optionen mit einem etwas höheren Delta zu verkaufen.

Short Strangle adjustieren

Sobald ein Short Strangle eröffnet wurde, hofft man als Trader auf seitwärts verlaufenden oder nur leicht steigenden/fallenden Preisen. Natürlich ist dies nicht immer der Fall.

Der Vorteil eines Short Strangle besteht darin, dass bspw. bei einem (starken) Kursanstieg die verkauften Calls einen Verlust erzielen, aber gleichzeitig die Puts einen Gewinn erzielen. Deshalb macht es Sinn, den Strangle nicht einfach laufen zu lassen, sondern zu adjusiteren, falls eine Seite unter Druck gerät.

Im eben genannten Beispiel könnte man bspw. den gesamten Strangle nach oben rollen (also die Strikes erhöhen), oder falls man von weiter steigenden Kursen ausgeht, weil das Underlying einen charttechnischen Ausbruch vollzogen hat, könnte man die Call-Optionen mit Verlust schließen und die Put-Optionen im Markt lassen. Außerdem kann man den Strangle auf einen späteren Verfallstermin rollen, oder weitere Strategien zur Adjusiterung anwenden, die ich an dieser Stelle nicht alle aufzählen kann.

Rückkauf (Take Profit)

Verläuft der Trade wie gewünscht, so verlieren die verkauften Optionen bis zum Verfallstermin kontinuierlich an Wert und verfallen schlussendlich wertlos. Dennoch kaufen Optionshändler meist die Optionen vor Verfall für einen geringen Preis zurück und realisieren somit den Gewinn. Der Grund dafür ist, dass ab einem gewissen Zeitpunkt das Verhältnis von möglichem Gewinn zu möglichem Risiko nicht mehr ideal ist.

Ich kaufe daher in der Regel Opptionen zurück, wenn sie 80% – 90% an Wert verloren habe. Dazu lege ich direkt nach der Eröffnung des Trades Take Profit Orders in den Markt.

Video: Short Strangle auf den Erdgas Future

Tradebesprechung eines real gehandelten Strangles

In diesem Video seht ihr ein Beispiel für eine Short Strangle auf den Erdgas Future, den ich Ende 2019 gehandlet habe. Im Video erkläre ich, wie ich den Trade augesetzt habe und mehrmals durch Adjusiterungen und Rollen in den Trade eingegriffen habe. So konnte die ursprüngliche Prämieneinnahme sogar erhöht werden.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist ein Short Call?2020-01-25T19:58:43+01:00

Der Verkauf einer Kaufoption wird als Short Call bezeichnet. Der Optionsverkäufer ist im Falle einer Ausübung der Option verpflichtet, dem Optionskäufer das Underlying zu liefern, also zu verkaufen. Der Optionsverkäufer erhält vom Käufer für die eingegangene Verpflichtung eine Optionsprämie.

Was ist ein Long Call?2020-01-25T19:58:27+01:00

Der Kauf einer Call-Option wird als Long Call bezeichnet. DerOptionskäufer hat das Recht, einen Basisert (Underlying) am Verfallstag bzw. während der gesamten Laufzeit der Option zum Basispreis zu kaufen. Für dieses Recht zahlt er eine Optionsprämie an den Optionsverkäufer (Stillhalter).

Was ist ein Long Strangle?2020-01-13T13:32:20+01:00

Ein Long Strangle ist eine Optionsstrategie, die aus einem gekauften Out Of The Money Call  und einem gekauften Out Of The Money Put besteht. Der Long Strangle erzielt einen Gewinn, wenn sich das Underlying stark in eine beliebige Richtung bewegt und/oder die implizite Volatilität ansteigt.

Was ist ein Strangle?2020-01-11T11:39:49+01:00

Ein Strangle ist eine Optionsstrategie, die aus einem Out Of The Money Call und einem Out Of The Money Put besteht. Der Strangle kann in den Varianten Long Strangle oder Short Strangle gehandelt werden, um auf eine starke Bewegung, eine Seitwärtsbewegung oder eine Veränderung der impliziten Volatilität zu spekulieren.

Was ist ein Short Strangle?2020-01-11T11:33:04+01:00

Ein Short Strangle ist eine Optionsstrategie, die aus einem verkauften Out Of The Money Call und einem verkauften Out Of The Money Put besteht. Der Short Strangle erzielt den maximalen Gewinn, wenn sich das Underlying am Verfallstag zwischen den Strikes der beiden verkauften Optionen befindet.

Was ist eine Option?2020-01-11T11:31:29+01:00

Eine Option ist ein bedingter Terminkontrakt. Der Optionskäufer hat das Recht, einen bestimmten Basiswert (Underlying) zum Verfallstermin oder während der Laufzeit zu einem vorher vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Der Optionsverkäufer hat – im Falle der Ausübung der Option – die Pflicht, den Basiswert zum vorher vereinbarten Preis zu liefern (Call) bzw. den Basiswert zu kaufen (Put).

Was ist ein Call?2020-01-06T20:55:57+01:00

Ein Call ist eine Kaufoption. Der Käufer einer Call-Option hat das Recht, einen Basiswert (Underlying) zu einem bestimmten Preis (Basispreis/Strike) zu kaufen. Der Verkäufer einer Call-Option hat die Pflicht – im Falle einer Ausübung der Option – das Underlying zum vereinbarten Preis (Basispreis/Strike) zu verkaufen.

Was ist ein Put?2020-01-06T20:50:46+01:00

Ein Put bzw. eine Put-Option ist eine Verkaufsoption. Der Optionskäufer hat das Recht, einen Basiswert  zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Der Optionsverkäufer hat die Pflicht – falls der Käufer die Option ausübt – das Underlying zum vereinbarten Preis zu kaufen.

Was ist ein Long Put?2020-01-06T20:48:06+01:00

Der Kauf einer Verkaufsoption (Put-Option) wird als Long Put bezeichnet. Als Käufer eines Puts erhält man das Recht, einen bestimmten Basiswert zu einem zuvor vereinbarten Preis an einem bzw. bis zu einem bestimmten Datum zu verkaufen.

Was ist ein Short Put?2020-01-06T20:46:05+01:00

Der Verkauf einer Verkaufsoption wird als Short Put bezeichnet. Der Optionsverkäufer hat die Pflicht, im Falle einer Ausübung der Option, das Underlying zu kaufen und erhält vom Käufer für die eingegangene Verpflichtung eine Optionsprämie.

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