Autor: Tobias SchmidAutor: Tobias Schmid | Profi-Trader und Website-Betreiber
veröffentlicht am: 15.09.2019

Der Straddle ist eine Optionsstrategie, die aus einem Call und einem Put mit gleichem Strike und gleicher Laufzeit besteht. Dabei gibt es die Varianten Long Straddle und Short Straddle. In diesem Artikel erklären wir, was ein Long Straddle und ein Short Straddle ist, wie das GuV Diagramm eines Straddle ausschaut und wann es sinnvoll ist einen Straddle zu handeln.

Was ist ein Long Straddle?

Definition & Erklärung

Ein Long Straddle ist eine Optionsstrategie, die aus einem gekauften Call (Long Call) und einem gekauften Put (Long Put) mit gleichem Strike und gleicher Laufzeit besteht. Der Long Straddle erzielt einen Gewinn, wenn sich das Underlying stark in eine beliebige Richtung bewegt und/oder die implizite Volatilität ansteigt.

Long Straddle: Die wichtigsten Fakten

Long Straddle Überblick

  • Komponenten = +1 Call; +1 Put (gleicher Strike & Laufzeit)
  • maximaler Gewinn = (theoretisch) unbegrenzt
  • maximaler Verlust = Optionsprämien (Call+Put)
  • Marktmeinung = starke Bewegung erwartet bzw. hohe/steigende Volatilität
  • Debit/Credit? = Debit
  • Volatilität = long Vega
  • Zeitwertverfall = leidet

+ = long
– = short
Credit = Guthaben wird bei Eröffnung des Trades auf Dein Konto gebucht
Debit = Eröffnung des Trades kostet Guthaben
Long Vega = Trade/Strategie profitiert von steigender Volatilität
Short Vega = Trade/Strategie profitiert von fallender Volatilität

GuV Diagramm eines Long Straddle (das umgekehrte Zelt)

GuV Diagramm Long Straddle

Der maximale Verlust (= gezahlte Prämie) entsteht bei einem Long Straddle am Basispreis der Optionen. Je weiter sich das Underlying in eine beliebige Richtung bewegt, desto höher wird der Gewinn.

Wann ist ein Long Straddle sinnvoll?

Der gleichzeitige Kauf einer Call- und einer Put-Option am gleichen Strike, macht nur dann Sinn, wenn man von einer starken Bewegung des Underlyings und/oder einem starken Anstieg der impliziten Volatilität ausgeht. Dabei möchte sich der Käufer des Straddles nicht entscheiden, in welche Richtung sich das Underlying bewegt. D.h der Long Straddle profitiert gleichermaßen von einer bullischen wie einer bärischen Bewegung.

Im Gegensatz zu einem Long Call oder einem Long Put, die sich ähnlich verhalten und auch von starken Bewegungen sowie einem Anstieg der IV profitieren, muss die Bewegung des Underlyings und/oder der Volatilitätsanstieg allerdings stärker ausfallen, da man zwei Optionen gekauft hat und somit einen höheren Betrag ausgegeben hat. Der Long Strangle läuft also im Vergleich zu einem Long Call oder Long Put erst später in die Gewinnzone.

Bei einer zu erwartenden starken Bewegung des Underlyings, hat der Markt dies allerdings schon häufig durch eine gestiegene implizite Volatilität eingepreist. Daher kann man bspw. nicht einfach vor einem News-Event oder vor Bekanntgabe von Quartalszahlen einen Straddle kaufen, da die Optionsprämien wahrscheinlich schon stark gestiegen sind, und das Underlying sich entsprechend sehr stark bewegen müsste. Außerdem fällt die IV für gewöhnlich nach einem News-Event wieder, was dem Long Straddle schadet.

Eine der wenigen Situationen, in der ein Long Strangle Sinn machen kann, ist mit einer “Pre-Earnings-Strategie”. D.h. man kauft einige Wochen vor der Bekanntgabe von Quartalszahlen (Earnings) einen Straddle, in der Annahme, dass die IV bis kurz vor dem Earnings-Termin steigen wird.

Was ist ein Short Straddle?

Definition & Erklärung

Ein Short Straddle ist eine Optionsstrategie, die aus einem verkauften Call (Short Call) und einem verkauften Put (Short Put) mit gleichem Strike und gleicher Laufzeit besteht. Der Short Straddle erzielt einen Gewinn, wenn sich der Preis des Underlyings nicht bzw. nur gering verändert und/oder die implizite Volatilität fällt.

Short Straddle: Die wichtigsten Fakten

Short Straddle Überblick

  • Komponenten = -1 Call; -1 Put (gleicher Strike & Laufzeit)
  • maximaler Gewinn = Optionsprämien (Call+Put)
  • maximaler Verlust = unbegrenzt (theoretisch)
  • Marktmeinung = seitwärts bzw. geringe/fallende Volatilität
  • Debit/Credit? = Credit
  • Volatilität = short Vega
  • Zeitwertverfall = profitiert

+ = long
– = short
Credit = Guthaben wird bei Eröffnung des Trades auf Dein Konto gebucht
Debit = Eröffnung des Trades kostet Guthaben
Long Vega = Trade/Strategie profitiert von steigender Volatilität
Short Vega = Trade/Strategie profitiert von fallender Volatilität

GuV Diagramm eines Short Straddle (das Zelt)

short straddle

Wann ist ein Short Straddle sinnvoll?

Ein Short Straddle – also der gleichzeitige Verkauf eines Calls und eines Puts – macht dann Sinn, wenn man von einer Seitwärtsbewegung ausgeht, oder darauf spekuliert, dass der Preis des Underlyings zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einem bestimmten Preisniveau notiert.

Der maximale Gewinn wird erzielt, wenn das Underlying exakt auf dem Niveau der Strikes der verkauften Optionen schließt. Je weiter sich das Underlying von diesem Kursniveau entfernt, desto geringer wird der Gewinn, bzw. desto größer wird der Verlust.

Außerdem profitiert der Short Straddle von einer rückläufigen impliziten Volatilität und sollte dementsprechend hauptsächlich bei hoher IV gehandelt werden, wenn man gleichzeitig davon aussgeht, dass die Vola fallen wird.