Optionen vs Optionsscheine

Zwei völlig unterschiedliche Produkte mit ähnlichem Namen

Autor: Tobias SchmidAutor: Tobias Schmid | Profi-Trader und Website-Betreiber
aktualisiert am: 01.01.2019

Optionen und Optionsscheine werden oft in einem Atemzug genannt. Oft herrscht Unwissenheit darüber, dass es sich dabei um völlig unterschiedliche Produkte handelt.

Sogar unter Privatanlegern, Tradern, Bankberatern, oder sonstigen Börsen-affinen Menschen schaut man oft in zwei fragende Augen, wenn man erklärt: „Nein, nicht Optionsscheine, sondern Optionen! Ich handle mit Optionen!“

Dabei gibt es zwischen Optionen und Optionsscheine neben einigen Gemeinsamkeiten, erhebliche Unterschiede. Letztere sind in meinen Augen sogar gänzlich ungeeignet, um als privater Anleger oder Trader damit Geld verdienen zu können. Mit dem Optionshandel hingegen sind die Chancen auf Erfolg deutlich höher.

Warum das so ist, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Optionen und Optionsscheinen liegen, und weshalb die Unwissenheit bzgl. Optionen und der Abgrenzung von Optionsscheinen hierzulande so groß ist, erfährst Du in diesem Artikel.

Optionen und Optionsscheine – Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Überblick

Optionen sind „echte“ Terminkontrakte

Schauen wir uns zunächst stichwortartig an, was Optionen und Optionescheine auszeichnet, und wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen:

Optionen
Börsengehandelt, standardisier
Derivate
Kauf & Verkauf möglich
Kein Emittent – Käufer/Verkäufer
Kein Emittentenrisiko
Durch Börse besichert
Preisbildung am Markt
Preisbildung transparent
Meist sehr liquide
viele Underlyings
Hebelwirkung
Optionsscheine
Verbriefte Optionen, nicht standardisiert
Derivate
Werden emittiert, nur Kauf möglich
Emittent ist Stillhalter
Emittentenrisiko
Inhaberschuldverschreibung
Preisbildung durch Emittenten
Preisbildung evtl. intransparent/unfair
Keine Stillhalter-Positionen möglich
viele Underlyigs
Hebelwirkung

Gemeinsamkeiten von Optionen und Optionsscheinen

In beiden steckt „Option“ drin

Sowohl Optionen als auch Optionsscheine zählen zu den derivativen Finanzprodukten, d.h. sie beziehen sich auf einen anderen Basiswert (Underlying). Das Underlying kann bspw. eine Aktie, ein Aktienindex, ein Rohstoff oder eine Währung sein.

Optionen und Optionsscheine sind als Calls (Kaufoptionen) und Puts (Verkaufsoptionen) handelbar. Der Kauf eines Optionsscheins (Call oder Put) funktioniert grundsätzlich zunächst ähnlich wie der Kauf einer Option. (Call oder Put)

Mit beiden Produkten lässt sich auf steigende oder fallende Kurse spekulieren, und für beide Produkte stehen in der Regel für jedes Underlying zahlreiche verschiedene Optionen mit unterschiedlichen Laufzeiten und Basispreisen (Strikes) zur Verfügung.


Der Preis

Je nach Laufzeit und Strike sind Optionen und Optionsscheine teurer oder billiger. Für eine weit aus dem Geld liegenden Option mit kurzer Laufzeit ist der Preis sehr viel geringer, als bspw. für eine am Geld liegende Option mit längerer Laufzeit. Je nachdem ist als auch die Hebelwirkung unterschiedlich gross.

Neben Laufzeit und Strike hat aber auch die Volatilität, bzw. die erwartete Schwankungsbreite (implizite Volatilität) des Underlyings einen Einfluss auf den Preis der Option bzw. des Optionsscheines. Bei einer hohen impliziten Volatilität steigen die Optionspreise, bei geringer erwarteter Schwankung sind die Preise billiger.

Unterschiede zw. Optionen und Optionsscheinen

In beiden steckt „Option“ drin

Neben den oben genannten Gemeinsamkeiten, gibt es einige Unterschiede zwischen Optionen und Optionsscheinen, die eine sehr wichtige Rolle spielen.


Börsengehandelter Terminkontrakt vs „Banken-Produkt“

Der Handel von Optionen findet an regulierten Terminbörsen statt, wie bspw. der Eurex oder der CME. Optionen (bspw. auf Aktien, auf Futures, auf ETFs, auf Indizes) sind standardisierte Terminkontrakte. D.h. es ist festgelegt, für welche Underlyings Optionen verfügbar sind, und welche Strikes, Laufzeiten, Bezugsverhältnisse, etc. handelbar sind.

Außerdem wird von der Börse sichergestellt, dass jeder Käufer und Verkäufer seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann.

Optionen können gekauft und verkauft werden. Durch das Verkaufen von Optionen (auch Optionen schreiben genannt) kann man somit Optionsprämien einnehmen und vom Zeitwertverlust der Optionen profitieren.

Optionsscheine hingegen sind keine standardisierten Kontrakte, sondern verbriefte Derivate. Diese werden von verschiedenen Banken emittiert. Somit ist der Kontrahent des Optionsschein-Käufers der Emittent, also die Bank. Optionsscheine können also nicht verkauft (wie Optionen), sondern nur gekauft werden. Somit sind die Möglichkeiten bzgl. verschiedener Strategien hier begrenzt. Da man immer als Käufer auftritt, hat man außerdem immer den Nachteil des Zeitwertverlustes.

Da es sich nicht um standardisierte Kontrakte handelt, sind außerdem extrem viele verschiedene Optionsscheine verfügbar. Was zunächst vorteilhaft klingt, ist allerdings eher als Nachteil zu sehen: Jeder Emittent bietet unterschiedliche Scheine mit verschiedenen Parametern an und stellt dementsprechend auch die Preise unterschiedlich. Als Kunde verliert man hier schnell den Überblick und kann die verschiedenen Optionsscheine nur schwer miteinander vergleichen.


Preisbildung

Ähnlich wie bei Aktien, bilden sich die Preise von Optionen durch reales Angebot und Nachfrage am Markt. Somit ist Fairness und Transparenz gewährleistet.

Bei Optionsscheinen findet keine Preisbildung durch Angebot und Nachfrage statt. Es ist immer die Bank, die die Kurse stellt. Die Kursstellung ist natürlich nicht vollkommen willkürlich, sondern ist von verschiedenen Einflussfaktoren abhängig und wird automatisch durch einen Algorithmus berechnet.
Allerdings bleibt hier immer das Problem der Intransparenz und es ist außerdem klar, dass der Emittent zunächst mal daran interessiert ist, wie er am meisten Geld verdienen kann, und nicht wie er den fairsten Preis zum Wohle des Kunden stellen kann und somit an den Stellschrauben immer so dreht, dass die Wahrscheinlichkeiten auf seiner Seite sind.