Advance Decline Line

Advance Decline Line – dem Index einen Schritt voraus

Die Advance Decline Line – oder auch AD-Line – ist ein extrem mächtiges Werkzeug bei der Analyse der Aktienmärkte. Richtig eingesetzt, liefert sie sehr zuverlässige Signale. Nichtsdestotrotz fristet die Advance Decline Line unter privaten wie auch professionellen Tradern und Investoren scheinbar aber ein Schattendasein.

Advance Decline Line
Einer der besten Indikatoren für den Aktienmarkt: Die AD-Line

Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel und erklärt zunächst, was die AD-Line ist und wie man diese verwendet und warum sie von jedem Börsianer – ob privater Trader oder professioneller Investor – beobachtet werden sollte. Außerdem zeigen wir, wie man einen Advance Decline Line Chart erstellt, bzw. wo man diesen findet. Anhand zahlreicher Beispiel-Charts zeigen wir außerdem, wie zuverlässig die AD-Line in der Vergangenheit war.

Autor: Tobias Schmid
Profi-Trader und Website-Betreiber
aktualisiert am
: 01.01.2019


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Was ist die AD-Line?

Das Wichtigste in Kürze

Die Advance-Decline Line ist ein Linienchart, der sich aus der Anzahl der gestiegenen Aktien und der Anzahl der gefallenen Aktien an einem Tag berechnent. Dabei wird die Differenz der beiden Werte zum Vortageswert addiert.

Die Formel der AD-Line lautet also: AD-Line = (Anzahl gestiegener Aktien – Anzahl gefallener Aktien) + AD Line Vortageswert

Beispiel:

Nehmen wir an es gäbe genau 100 Aktien. An einem Tag steigen 60 Aktien, 40 Aktien fallen. Am nächsten Tag steigen 70 Aktien, 30 Aktien fallen. An Tag 3 steigen 25 Aktien, 75 Aktien Fallen.

Subtrahiert man nun die „declines“ von den „advances“ erhält man folgende Ergebnisse:

Tag 1: 20

Tag 2: 40

Tag 3: -50

Nehmen wir als beliebigen Ausgangswert die Zahl 20. Nun steigt die AD-Line am 1.Tag auf 40 (20+20), an Tag 2 steigt sie auf 80 (40+40), und an Tag 3 fällt sie zurück auf 30 (80-50).

Wir haben eine AD-Line berechnet, die folgendermaßen ausschaut:

AD-Line eigenes Beispiel Excel-min


Wozu der ganze Aufwand?

Das Wichtigste in Kürze

Börsianer beobachten Aktienindizes, um Rückschlüsse auf die Gesundheit des breiten Marktes zu ziehen. Aktienindizes bergen aber einige Probleme in sich, weshalb sich andere „Werkzeuge“ teilweise besser als Frühindikator für den breiten Markt eignen.

Um zu verstehen wie und weshalb man die Advance Decline Line verwenden soll, müssen wir zunächst einen Schritt zurück gehen und über Aktien-Indizes sprechen:

Das „Problem“ mit den Indizes

New York Stock Exchange
Die New York Stock Exchange – kurz NYSE

Die New York Stock Exchange an der Wall Street ist die größte Wertpapierbörse der Welt. An der NYSE werden täglich mehr als eine Milliarden Aktien von ca. 3000 Unternehmen gehandelt. Bei einer so großen Anzahl an Aktien, kann man natürlich nicht  die Entwicklung einer jeden einzelnen Aktie verfolgen, weshalb Börsianer Aktienindizes beobachten und analysieren.

Einige der bekanntesten amerikanischen Aktienindizes sind der Dow Jones, der S&P 500, oder auch der Nasdaq Composite. Das Ziel ist stets, die Entwicklung des Aktienmarktes insgesamt – des sogenannten breiten Marktes – beobachten zu können, ohne dabei alle Einzelaktien im Auge behalten zu müssen. Und im weiteren Sinne dient die Beobachtung der Entwicklung des breiten Marktes als Indikator für die ökonomische Entwicklung eines Landes.

Nun ergibt sich allerdings ein Problem:

Das Wichtigste in Kürze

Ein Aktienindex wie bspw. der Dow Jones oder S&P 500 ist nicht hinreichend gut als Indikator für den breiten Markt geeignet.

Wie gelangen wir zu so einer Aussage?

Einerseits sind von den 3000 an der New York Stock Exchange gehandelten Aktien im Dow Jones Index lediglich 30 Titel enthalten. Zwar repräsentiert der S&P 500 mit 500 Aktien eine deutlich größere Anzahl von Aktien bzw. Unternehmen; aber auch hier wird der Index von einer kleinen Anzahl an Aktien dominiert, da der Index nach Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens gewichtet ist.

D.h. bei der Berechnung des Index haben die Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung den größten Einfluss.

Die nachfolgende Grafik zeigt, dass aus den 500 Unternehmen des S&P 500 die Top 20 Unternehmen bereits über 31 % des Index ausmachen:

SPX Top 20 Holdings
Einige wenige Unternehmen „verzerren“ den Index. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/S%26P_500#Unternehmen

 

Wie bereits erwähnt, ist ein Aktienindex vor allem dazu da, den breiten Markt abzubilden und sozusagen als Indikator für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung eines Landes zu fungieren.

Wie wir gesehen haben beherrschen einige Schwergewichte aber Indizes wie den Dow Jones oder den S&P 500.

Das wirft unweigerlich die Frage auf, ob einer der genannten Indizes tatsächlich das ideale Instrument ist, um eine Aussage über die „Gesundheit“ des breiten Marktes bzw. die ökonomische Verfassung der USA (bezogen auf den Dow Jones und S&P 500) zu treffen.

„Die Flut hebt alle Boote“

Es ist zwar richtig, dass in einem breiten Auf- oder Abschwung, eine Vielzahl aller Aktien dem Gesamtmarkt-Trend folgen. Und es stimmt auch meistens, dass die Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung eine besondere Rolle spielen.

Es stimmt aber auch, dass eben diese Schwergewichte in einem beginnenden Bärenmarkt häufig später zu fallen beginnen.

Daraus folgt, dass der Index in einem sich anbahnenden Bärenmarkt sich häufig noch einigermaßen stabil hält, während eine Vielzahl der Aktien sich schon in einem Abwärtstrend befinden.


Den „breiten Markt“ verstehen

Das Wichtigste in Kürze

Um eine Aussage über die Gesundheit des breiten Marktes treffen zu können, eignen sich sogenannte Marktbreiteindikatoren teilweise besser als ein Aktienindex. Die Advance-Decline Line ist der bekannteste Marktbreiteindikator.

Wie wir im vorherigen Abschnitt gesehen haben, sind also Aktienindizes nicht immer das richtige Instrument, um als Indikator für den breiten Markt zu dienen.

Besonders bei Trendwenden (Top- und Bottom-Formationen) sind die „klassischen“ Aktienindizes eher träge. D.h.: Wenn bspw. ein neuer Bärenmarkt entsteht, und eine Vielzahl der Aktien schon stark gefallen sind, ist das in Index erst recht spät erkennbar.

Um für dieses Problem eine Lösung zu schaffen, haben Börsianer verschiedene „Werkzeuge“ entwickelt, die das Ziel haben, einen neutraleren Blick auf den gesamten Aktienmarkt zu werfen.

Zu den beliebtesten und am besten funktionierenden Werkzeugen gehören die Marktbreite-Indikatoren. Unter den Marktbreite-Indikatoren ist die Advance-Decline Line der bekannteste und am häufigsten genutze Indikator.

Wie die AD-Line berechnet wird, haben wir weiter oben bereits beschrieben.

Einfach ausgedrückt, kann man sagen:

Das Wichtigste in Kürze

Die AD-Line zeigt uns, ob mehr Aktien steigen oder fallen.


So nutzt man die AD-Line

Das Wichtigste in Kürze

Die Advance-Decline Line lässt sich mit den typischen Werkzeugen der Technischen Analyse analysieren. Entscheidend ist dabei vor allem die Analyse des Trends der AD-Line, sowie der Vergleich mit einem Aktienindex – also der Suche nach Divergenzen.

Schauen wir uns zunächst einen Chart der AD-Line und des S&P 500 an. Um die beiden Werte gut vergleichen zu können, erstellen wir ein Chart-Overlay:

AD-Line und S&P 500
rot = AD-Line
Candlesticks = S&P 500
Die Advance Decline Line und der S&P 500 verlaufen fast gleichförmig.

Da in einem Bullenmarkt fast alle Aktien steigen, und in einem Bärenmarkt fast Alle Aktien fallen, ist es nicht verwunderlich, dass der S&P 500 und die AD-Line fast gleichförmig laufen. Aber eben nur fast!

Bei einer genaueren Analyse fällt auf, dass die AD-Line in der Regel dem S&P 500 vorausläuft. D.h Signale in der AD-Line entstehen zuerst und können als Frühindikator für den S&P 500 dienen.

Experten-Tipp

Insbesonders bei Trendwenden, oder nach längeren Seitwärts-Phasen zeigt sich die AD-Line als sehr zuverlässiger Frühindikator. Es ist regelrecht verblüffend, wie zuverlässig die Signale funktionieren!


Praxis-Beispiele

Schauen wir uns einige Situationen etwas genauer an:

Beispiel 1: neuer Bullenmarkt nach der Finanzkrise

Nach der Finanzkrise und dem Bärenmarkt 2008/2009 entstand Mitte 2009 ein neuer Bullenmarkt. Typischerweise dauerte die Bodenbildung und die Trendumkehr einige Monate lang.

Während der Index noch seitwärts lief und somit unsicher war, ob der Abwärtstrend fortgesetzt wird, oder ob ein neuer Aufwärtstrend entsteht, begannen plötzlich viele Aktien wieder zu steigen.

Die Advance-Decline Line verdeutlicht genau das, indem sie Ende April 2009 ihr letztes Zwischenhoch des Abwärtstrends überschritt, womit die AD-Line einige Monate vor dem S&P 500 (Juli 2009) den Beginn eines neuen Bullenmarktes signalisierte.

Wie im Chart zu sehen ist, lief die AD-Line auch in den Folgemonaten dem Index voraus und diente somit ideal als Frühindikator sowie als bestätigendes Signal eines gesunden Bullenmarktes.

AD-Line SP500 Boden nach Finanzkrise Anmerkungen
2009 signalisierte die AD-Line 3 Monate vor dem S&P 500 den Beginn eines Bullenmarktes!

Beispiel 2: Neue Hochs nach Seitwärtsmarkt 2015/2016

Nachdem sich 2015 und 2016 ein länger andauernder Seitwärtsmarkt ausgebildet hatte und nicht absehbar war, ob es zur Bildung eines größeren Tops kommt, oder ob sich der Bullenmarkt fortsetzen würde, begannen Anfang 2016 viele Aktien zu steigen. Wir sahen eine „innere Stärke“, was die Marktbreite-Indikatoren wiedrum offensichtlich machten.

Die AD-Line brach im April 2016 – und somit 3 Monate vor dem S&P 500 – auf neue Hochs aus!

AD-Line und S&P 500 - Ausbruch auf neues Hoch 2016
2016 bricht die AD-Line 3 Monate vor dem S&P 500 auf neue Hochs aus!

 

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