Messung der Marktbreite – Wozu ist das gut?

Lerne, wie Du von der Analyse der Marktbreite profitierst!

Die Analyse der Marktbreite gehört für Börsenprofis zum Alltag und kann – richtig angewendet – sehr zuverlässige Signale liefern. Statt sich bei der Analyse der Aktienmärkte ausschließlich auf die Aktienindizes zu verlassen, geht die Messung der Marktbreite einen Schritt weiter: Es wird untersucht, ob die Mehrzahl aller Aktien in einem Index, den Trend und die Signale des Index bestätigen oder nicht. Die Signale der Marktbreite-Indikatoren sind extrem zuverlässig und eignen sich sehr gut als Frühindikator.

In diesem Artikel zeigen wir Dir, wie Du mit Hilfe verschiedener Marktbreite-Indikatoren die Marktbreite analysieren kannst, und welche Schlüsse wir aus den gewonnen Informationen ziehen können.

Marktbreite - Ein Blick unter die Haube-min

Einen Blick unter die Haube werfen: Marktbreite-Indikatoren untersuchen, ob die Komponenten eines Index (Aktien) die Signale des Index bestätigen.

Marktbreite und „breiter Markt“

Definition und Unterschiede der Begriffe

Als erstes möchten wir kurz den Unterschied zwischen den Begriffen „Marktbreite“ und „breiter Markt“ klären. Es könnte z. B. in einem Artikel der folgende Text stehen: „Der Dow Jones repräsentiert nicht den breiten Markt. Der NYSE Conmposite Index tut dies.“

Der Begriff „breite Markt“ spielt meist im Zusammenhang mit Indizes (und mit den auf Indizes aufbauenden ETFs) eine Rolle. Mit dem Begriff „breiter Markt“ ist gemeint, inwieweit ein Index den Gesamtmarkt repräsentiert. Je mehr ein Index den Gesamtmarkt repräsentiert desto „breiter“ ist er. Der Dow Jones ist ein stark industrielastiger Index und daher kann behauptet werden, dass der Dow Jones nicht sonderlich „marktbreit“ ist. Sogenannte „Composite Indizes“ zeigen den Gesamtmarkt und sind somit die marktbreitesten Indizes die es gibt.

Das Problem der Gewichtung

Warum ein Aktienindex manchmal nur die halbe Wahrheit sagt

Unabhängig davon ob ein Index nun den breiten Markt repräsentiert oder nicht, besteht ein Index immer aus mehreren Werten. So sind z.B. im Dow Jones Industrial Index 30 Unternehmen enthalten, im S&P500 sind es 500 Unternehmen (aufgrund eines Aktiensplittes sind es tatsächlich allerdings 501 Werte).

Wie du sicherlich weißt, haben die einzelnen Werte in einem Index nicht das gleiche Gewicht auf die Gesamtentwicklung des Index. Bei preisgewichteten Indizes wie dem Dow Jones bestimmt der Marktpreis welches Gewicht ein einzelner Wert im Index hat, bei kapitalgewichteten Indizes wie dem S&P 500 bestimmt die Marktkapitalisierung (free float) über die Gewichtung der Unternehmen im Index.

Gewichtung Indizes

Einzelne Aktien in einem Index haben eine besonders hohe Gewichtung und „verzerren“ das Gesamtbild.

Um zu verstehen welche Konsequenzen diese unterschiedliche Gewichtung haben kann, betrachte bitte das folgende Beispiel:

Wir betrachten einen ausgedachten Index, den X-Index. Der X-Index besteht aus den 10 Werten 1 bis 10. Dabei haben die 10 Werte das folgende Gewicht auf die Gesamtentwicklung des Index X.

1 = 3%
2 = 6%
3 = 8%
4 = 3%
5 = 5%

6 = 10 %
7 = 15%
8 = 15%
9 = 30%
10 = 5%

Wir du siehst hat der Wert Nummer 9 mehr Gewicht als die Werte 1- 5 zusammen. Dies ist ein für Indizes typisches Bild. Es ist fast immer so, dass wenige Werte ein extrem starkes Gewicht haben und diese Werte daher die Bewegungen anderer, schwach gewichtetet Werte zunichte machen können.

Stelle dir vor die Werte 1-5 im X-Index steigen je um 5 %. Die Werte 6,7,8 und 10 bewegen sich nicht. Man könnte meinen, dass der X-Index  nun steigen müsste. Ob er dies tut oder nicht kommt jetzt aber ganz auf die Entwicklung des Wertes 9 an. In unserem Beispiel fällt der Wert 9 um 5%. Da der Wert 9 im Index höher gewichtet ist als die Werte 1-5 zusammen kann der Index nicht steigen.

Marktbreite: Einen „Blick unter die Haube“ werfen

Verstehe den Nutzen der Marktbreite-Analyse

Genau hier setzt die Messung der Marktbreite an. Mit Hilfe verschiedener Marktbreite-Indikatoren können wir prüfen, wie viele der in einem Index enthaltenen Elemente (also Aktien im Falle eines Aktienindex) mit in die Richtung des Index laufen.

Laufen eine Mehrzahl der im Index enthaltenen Werte in die gleiche Richtung wie der Index, gilt die Marktbreite als bestätigt.

Vorsicht ist immer dann geboten, wenn die Marktbreite die Richtung des Index nicht bestätigt. Dies bedeutet, dass der Index nur von wenigen hoch gewichteten Elementen (Aktien) in die eine oder andere Richtung getrieben wird.

Befindet sich z. B. ein Index in einem Aufwärtstrend, aber 60% der im Index enthaltenen Aktien befinden sich bereits in einem Abwärtstrend, ist dies ein deutliches Warnsignal und erfordert weitere Analysen, um die Situation besser beurteilen zu können.

Marktbreite-Indikatoren

Mit diesen Indikatoren kannst Du die Marktbreite untersuchen

Die bekanntesten Marktbreite-Indikatoren sind:

  • Advance/Decline Line
  • New Highs/New Lows
  • Anzahl Aktien über gleitendem Durchschnitt

Advance/Decline Line

Die Advance-Decline Line ist zweifelsfrei der bekannteste Marktbreite-Indikator. Es wird an jedem Handelstag gezählt, wie viele Aktien eines Index steigen, und wie viele fallen. Die „Declines“ (gefallenen Aktien) werden von den „Advances“ (gestiegenen Aktien) subtrahiert und das Ergebnis wird zum Vortageswert addiert. So erhält man einen Linienchart, den man ebenso wie den Index selbst analysiert und auf Divergenzen prüft. Die Advance/Decline Line ist in der Regel ein vorrauslaufender Indikator und antizipiert die Entwicklung des Index.

Alles über die A/D Line lernst Du in unserem Artikel:

Advance/Decline Line

New Highs & New Lows

In einem gesunden Bullenmarkt sollte nicht nur der Index neue Hochs markieren, sondern auch eine Vielzahl der in ihm enthaltenen Aktien. Aus diesem Grund ist es eine gängige Methode, zu prüfen wie viele Aktien auf neue 52-Wochen-Hochs bzw. auf neue 52-Wochen-Tiefs ausbrechen. Dabei untersucht man in der Regel alle Aktien der New York Stock Exchange (NYSE); die New Highs & New Lows werden aber ebenso für verschiedene Indizes publiziert.


Anzahl Aktien über Gleitendem Durchschnitt

Der Ausbruch auf ein neues 52-Wochen Hoch signalisiert einen intakten Aufwärtstrend. Eine weitere einfache Möglichkeit den Trend zu ermittlen bieten gleitende Durchschnitte. In einem gesunden Bullenmarkt notieren eine Mehrzahl aller Aktien über den gleitenden Durchschnitten (in der Regel verwendet man den SMA 50 & SMA 200). Auch hier sollte man auf Divergenzen achten und diese als deutliches Warnsignal interpretieren.


Als Fazit lässt sich festhalten:

Die Messung der Marktbreite ist ein nützliches Analyse-Verfahren um zu bestimmen ob die in einem Index enthaltene Elemente in der Mehrzahl der Fälle die gleiche Richtung wie der Index aufweisen. Ist dies der Fall gilt die Marktbreite als bestätigt.

Wenn die Marktbreite nicht bestätigt wird, sind weitere Analysen mit anderen Methoden notwendig, um die Chancen und Risiken eines (neuen) Investments beurteilen zu können.

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Weiterführende Links & Quellen: